Sonnenzyklus 25
Ich hab doch auf "Polarlichter" geklickt, wieso kommen die mir jetzt mit "Sonnenzyklus"? Keine Sorge, dazu kommen wir etwas später zurück. Das Leben ist ein einziger Lernprozess und so mussten, bzw. durften wir insbesondere beim Thema Polarlichter in den vergangenen Jahren einiges dazu lernen - so auch zu Sonnenzyklen. Schon seit dem Beginn des 25. dieser Zyklen war uns klar, dass wir die entstehenden Fotos irgendwie in angemessenem Rahmen aufbereiten müssten. Die Idee einer gemeinsamen Website waberte zwar bereits zuvor durch den Raum, verfestigte sich aber u.a. auch durch die phantastischen Eindrücke, die wir in den letzten drei Jahren in Bits und Bytes (naja eher Giga- und Terabytes) bannen durften.
Da sich der Sonnenzyklus (ein paar Erklärungen folgen später in der Reihenfolge, in der auch wir in das Thema gestartet sind) mittlerweile seinem Ende nähert, haben wir uns entschieden die vergangenen Jahre chronologisch aufzubereiten, da sich nicht nur die Bilder, sondern auch wir selbst in manch Sichtweise deutlich verändert haben. Wenn Ihr Euch für dieses Thema interessiert, lehnt Euch gern zurück, wir würden Euch gerne mitnehmen und unsere Geschichte erzählen. Hätten wir vor drei Jahren bereits geahnt, welche Eindrücke wir noch zu verarbeiten haben würden, naja vermutlich hätten wir trotzdem ähnlich unbedarft gehandelt.
Apropos Unbedarftheit:
Auch jetzt, da es an der Polarlichtfront etwas ruhiger wird - auf unseren Festplatten schlummern noch immer so viele ungezeigte und - bearbeitete Fotos, die nach Aufmerksamkeit schreien... Auch die chronologische Erzählung wird in den kommenden Monaten höchstwahrscheinlich weiter bearbeitet und angepasst werden müssen - seht es uns bitte nach.
Und noch ein letzter organisatorischer Hinweis, bevor wir endlich zum Interessanten gelangen: Vermutlich wird es Jeder nachvollziehen können: Fotos können niemals den Eindruck vermitteln, den man vor Ort, live und in Farbe erlebt hat. Ob es nun die Bilder von Bergtouren, Gewittern, Mensch und Tier sind, ein Bild ist immer nur ein Teil der Wahrheit, den emotionalen Part muss man hinzuerzählen und hoffen, dass man es auf eine Weise vollbringt, die den Betrachter, Leser oder Zuhörer abholt. Wir versuchen dies so authentisch wie möglich umzusetzen, auch, wenn wir dadurch Gefahr laufen, dass manch einer an einigen Stellen maßlose Übertreibung vermutet.
Wir sind beide keine Mathe-, Physik oder Chemieprofessoren, daher skizzieren wir nur die groben Zusammenhänge, für deren Richtigkeit wir aber zum einen keine Garantie übernehmen und welche zum Anderen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben können.
Ach zu diesem Anlass sei erneut ausdrücklich darauf hingewiesen: Wir fotografieren weitestgehend von Automatiken losgelöst und im RAW- Format. Es handelt sich hierbei um ein Rohdatenformat, welches zwar einen höheren Dynamikumfang zur Bearbeitung, jedoch nicht den optischen Eindruck, den das menschliche Auge zu leisten im Stande ist, bietet. Insofern ist eine Bearbeitung dieser Bilder IMMER notwendig, um den optischen Eindruck, den man persönlich vor Ort hatte, herzustellen. Wir verzichten auf unrealistische oder übertriebene Bearbeitung. Letztlich nehmen wir kaum mehr Anpassungen vor, als die meisten Kameras standardmäßig vornehmen, wenn sie Bilder im .jpg-Format ausgeben. Auch diese sind Kameraseitig bearbeitet, man merkt es nur nicht.
Wie alles begann
Vieles ist mir bereits vor die Kamera gehüpft. Von Landschaften, über Mensch und Tier, bis hin zu speziellen Langzeitbelichtungen und Makroaufnahmen. Schon seit etwa 20 Jahren nenne ich mich professionellen Hobbyfotografen. Als mich jedoch in einem der vielen Urlaube im Chiemgau Dirk anrief und berichtete, dass die Chance auf Polarlichter bestünde, war ich dann doch zunächst überfordert. Natürlich hat jeder schon einmal von Polarlichtern gehört - und auch, dass sie bei extremen Ausbrüchen auf der Sonne auch abseits der nördlichen Gefilde auftreten können. Spontan hatte ich die typischen Bilder im Kopf: Glasklar abgegrenzte und deutlich sichtbare grünliche Schleier, die senkrecht über einem am Nachthimmel tanzen... weit, weit im Norden... Thema Polarkreis und so. Also was sollte das schon werden. Aber ok, wir verabredeten uns und trafen uns am Abend des 05.11.2023 auf der Seiseralm über'm Chiemsee. Dort an und auf der Terrasse des Restaurants Seiserhof hatten wir zuvor schon öfter gestanden, in der Regel um Sonnenuntergänge oder aufziehende Gewitter zu fotografieren. Großartig Gedanken gemacht hatten wir uns nicht. Dass der Blick nach Norden natürlich nicht verstellt sein durfte war klar, aber ansonsten... wird schon passen.
Was wir sofort lernten - diese ersten Bilder zeigen schon das Eine oder Andere wie im Brennglas:
1) Baut man spät Abends irgendwann kurz nach 22 Uhr mehrere Stative in einer Wiese auf, gewinnt man die Aufmerksamkeit einiger Umstehender. Installiert man dann noch, auch für Fotolaien erkennbar, große Kameras auf diesen Stativen, erreichen einen erste Fragen. Beantwortet man diese dann auch noch damit, dass man Polarlichter fotografieren möchte, sorgt dies bei manch einem für weiteres Interesse, während Andere zunächst uns und dann den rabenschwarzen Himmel direkt vor unseren Kameras skeptisch mustern und vorsichtig den Rückzug antreten ("Ja ja, Polarlichter, mhm..."). Die Schatten der Erstgenannten sind unten rechts auf dem zweiten Bild sogar verewigt.
2) Während wir uns als Fotografen meist sehr über das eine oder andere Wölkchen am Himmel freuen, sorgen diese bei Polarlichtfotos natürlich auch irgendwo für eine gewisse Spannung. Bei zu lange belichteten Bildern oder zu vielen Wolken, kehrt sich dieser Effekt jedoch um und man sieht auf dem fertigen Bild mehr verwaschene, orange angestrahlte Wolken, als tatsächlich Polarlichter. Belichtet man kürzer, sind die Polarlichter dunkler oder überhaupt nicht zu erkennen. Also... ähnlich wie bei der Astrofotografie: Je kürzer die Belichtungszeit, desto besser. Also Objektiv der Wahl: Ein möglichst lichtstarkes Weitwinkelobjektiv.
3) Örtlichkeiten, die super sind um Wetter oder Sonnenauf- / -untergänge zu fotografieren, müssen es noch lange nicht sein, wenn es um Polarlichter geht. Die Erreichbarkeit der Seiseralm mit dem Auto ist natürlich sehr praktisch, die helle Beleuchtung der Gebäude und der Terrasse strahlt weit in die Umgebung aus. So dauerte es auch ein paar Momente und Fotos bis wir bemerkten was wir vor uns hatten. Die Show hatte längst ohne uns begonnen.
Trotz der uns umgebenden Helligkeit erahnten wir auf einigen Fotos einen gleichmäßig rötlichen Bogen im dunklen Himmel vor uns. Dieser ist im zweiten Bild relativ gut erkennbar. Zunächst gingen wir davon aus, dass wir auf Grund der Helligkeit die Polarlichter, wie wir sie uns vorstellten, noch gar nicht sehen konnten. Nichtsdestotrotz waren wir natürlich vollkommen aus dem Häuschen. Schließlich hatten wir es (zumindest gilt das für Chris) zum ersten Mal geschafft Polarlichter mit relativ einfachen Mitteln fotografisch festzuhalten. Fieberhaft gingen wir daher alle alternativen Örtlichkeiten durch, die freie Sicht in Richtung Norden bieten und nicht derart hell beleuchtet sind. Das Ganze musste natürlich auch schnell gehen, wir hatten ja überhaupt keine Idee davon, wie lange das Himmelsleuchten noch anhalten würde.
Der (für uns) naheliegendste Gedanke: Die Aussichtskapelle Samerberg. Mit dem Auto liegt diese nur ein paar Fahrminuten entfernt. An viele Lichtquellen bei vorigen Fotoexpeditionen erinnerten wir uns nicht. Also nicht lange gegrübelt: Alle Gerätschaften verräumt und los.
Die Ernüchterung folgte sofort nach dem erneuten Aufbau der Ausrüstung. Dem Fotografenhirn entspringt natürlich sofort das ideale Wunschmotiv: Angestrahlter Mond mit Polarlichtern darüber. Das erste Foto von Samerberg aus... Nun ja... eigentlich schick. Halbmond, Sterne, ein paar dekorative Wolken... aber keine Polarlichter. Wobei: wenn man sich das Bild oben genauer anschaut: ganz links am Bildrand ist eine leichte rötliche Verfärbung zu erahnen. Selbstverständlich ließen wir nicht locker. Bei so einer Gelegenheit abzubrechen und heim zu fahren, kam selbstverständlich nicht in Frage. Jedenfalls setzte sich der Lernprozess in dieser Nacht weiter fort.
4) Auch heller Mondschein kann ausreichen, damit Polarlichter überstrahlt werden und dadurch weniger oder gar nicht sichtbar sind.
5) Polarlichter sind offenbar nicht zwangsläufig über einen längeren Zeitraum stabil sichtbar.
Eine entscheidende Überlegung setzte glücklicherweise recht zügig ein: Als Neueinsteiger in der Thematik Zeitrafferaufnahmen kam mir der Gedanke: Wenn ich die Kamera so programmiere, dass sie mittels Intervalltimer in regelmäßigen Abständen Bilder aufnimmt, dürfte ich kein Polarlicht verpassen - sollte es erneut aufflackern.
Die daraufhin selbstständig aufzeichnende Kamera bot dann auch noch einen weiteren positiven Nebeneffekt: Wir konnten uns ganz in Ruhe durch diverse Informationen zum Thema Polarlichter klicken.
Somit war dieser Abend dann auch das erste Mal, dass wir beide uns intensiver mit dem Phänomen des Himmelsleuchten näher beschäftigten - und damit, warum wir zuvor kaum etwas hierzu mitbekommen hatten, obwohl wir doch meistens mit relativ weit geöffneten Augen durch die Weltgeschichte spazieren. Die naheliegendste Antwort: "Soziale Medien". Durch diese werden Informationen viel schneller und einem größeren Publikum zur Verfügung gestellt. Es existieren mittlerweile in allen nur erdenklichen soz. Medien verschiedene Gruppen, in denen Phänomene wie Polarlichter thematisiert werden. Hat man sich einmal dafür interessiert, kann man sich vor (rudimentären) Informationen kaum noch "retten". Wäre diese Zunahme von Bildern und Informationen zu Polarlichtern abseits nördlicher Gefilde lediglich auf erhöhte Verbreitung in gewissen Medien zurück zu führen, müsste man sich darüber wundern, dass eben dies nicht schon viel früher geschehen ist. Hier kommt der sogenannte Sonnenzyklus ins Spiel. Die Sonne durchläuft einen immer wiederkehrenden Zyklus aus aktiveren und weniger aktiven Zeiten. Etwa alle 11 Jahre kommt es zu aktiven Zeiten, einem sogenannten solaren Maximum. Während eines solchen Maximums bilden sich gehäuft Sonnenflecken auf der Sonnenoberfläche aus. Bei Sonnenflecken handelt es sich um optisch dunkle Stellen auf der Sonnenoberfläche. Auf Grund starker Magnetfelder findet im Bereich eines Sonnenflecks weniger Konvektion des Plasmas statt, weshalb die Temperatur dort geringer, als auf dem Rest der Sonnenoberfläche ist. Die geringere Temperatur führt zu weniger Abstrahlung von Licht. Durch die starken Magnetfelder können Sonnenflecken Quelle starker Sonneneruptionen ("Flares") sein. Dies geschieht durch Neuverschaltungen von Magnetfeldern benachbarter Sonnenflecken, welche anders gepolt sind. Bei Solchen Sonneneruptionen können mal mehr, mal weniger geladene Teilchen in Richtung Erde geschleudert werden. Wenn diese auf das Erdmagnetfeld treffen, können diese rund um die Pole Gasteilchen in der Erdatmosphäre zum Leuchten anregen.
Im entsprechenden solaren Minimum sind deutlich weniger bis gar keine "Flecken" auf der Sonnenoberfläche auszumachen. Aktuell befinden wir uns im 25. Sonnenzyklus (chronologische Zählung unabhängig von der jeweiligen Jahreszahl).
Zwischen unseren "Studien" mittels unserer Smartphones, blickten wir dann doch ab und zu mal auf die Bildschirme unserer Kameras. Irgendwann ab etwa 00:00 Uhr zeigte sich zunächst wieder die leicht rötliche und gleichmäßig in einem Bogen am Himmel stehende, Färbung.
Vieles ist u.a. mit dem klassischen Fotobearbeitungsprogramm "Photoshop" möglich. Von sinnvoller und nötiger Bearbeitung über völlig unrealistische Übertreibung bis hin zu Komplettfälschungen mittels KI... alles davon wurde und wird uns nach wie vor vorgeworfen bzw. unterstellt. Bei manch Build ist das sogar durchaus verständlich. Wir versuchen daher so transparent wie möglich mit unseren Bearbeitungen der durch uns gefertigten Fotos umzugehen. Im rechten Bild ist z.B. lediglich die Objektivverzerrung herausgerechnet, sowie das "Rauschen" des Bildsensors reduziert. An den Farben haben wir - erkennbar u.a. an den Hausdächern - nichts geändert.
Bei unseren regelmäßigen Kontrollblicken, bemerkten wir ab etwa 00:30 Uhr völlig verdutzt, dass sich einzelne, senkrechte und rötliche Helligkeitsstreifen am Himmel abzeichneten. Da war dann plötzliches so richtig was los.
Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, ob wir zu diesem Zeitpunkt alleine auf der Wiese neben der Kapelle standen. Selbst wenn sich dort hunderte Menschen aufgehalten hätte - wir hätten es wohl nicht bemerkt. Vor lauter Begeisterung ratterten die Kameras mehr oder weniger ohne Pause durch. Alle möglichen und unmöglichen Objektive wurden ausprobiert. Zu nah dran, zu weit weg, zu hell, zu dunkel, ISO zu hoch, Blende... ach Ihr wisst schon - Chaos pur. FALLS uns da zufällig jemand bei beobachtet hat und dies nun noch zufälliger liest... Du hattest sicher viel zu lachen. Der Wahnsinn brach sich endgültig Bahn, als wir für einen kurzen Moment sogar den Eindruck gewannen, eben jene helleren Streifen mit bloßem Auge erahnen zu können.
Zum Höhepunkt des Ganzen spiegelte sich die rötliche Färbung sogar unter uns im Wasser des Simssees. Immer mehr der hellen Streifen tauchten am Himmel auf, bildeten sich in kürzester Zeit, verschwanden wieder, wurden intensiver, schwächten sich ab, wechselten sogar leicht die Farbe - mal satt rot, mal leicht in's Violett gehend... selbst der niedrig am Boden liegende Dunst wurde zwischenzeitlich etwas rötlich angestrahlt.
Nun sind wir zugegebenermaßen generell relativ emotional unterwegs, wenn es um das Thema Fotografie geht. Das Ganze ist für uns DAS große Hobby unseres Lebens und entsprechend begeistert sind wir dabei unterwegs. Entsprechend kann man sich evtl. vorstellen, wie sehr wir die erstmalige Sichtung von Polarlichtern feierten. Für jemanden, der in den Sonnenzyklen der Vergangenheit bereits Polarlichter sehen durfte oder wer sie durch Reisen in weit nördliche oder südliche Gefilde kennt, ja für den mag es lächerlich klingen, für uns grenzte das Ganze an eine Sensation.
Irgendwann, weit nach drei Uhr, wurde es uns schließlich doch reichlich frisch um die Nasen und auch das Verlangen am Kopfkissen zu horchen, schlug sich dann doch Bahn. So rückten wir schließlich schweren Herzens ab, trotz der nach wie vor am Himmel stehenden, leichten Rötung.
Dass wir einige Polarlichter erwischt hatten, wussten wir ja bereits durch den einen oder anderen neugierigen Blick auf die kleinen Kamerabildschirme. Was wir jedoch alles wirklich abgelichtet hatten, zeigte sich erst am folgenden Tag, nachdem alle Daten auf unsere Rechner übertragen waren. Auf den größeren Bildschirmen war dann die Überraschung riesig, als wir auf nahezu jedem Bild mindestens diese gleichmäßige rote Färbung entdeckten. Darüber hinaus waren auch die hellen, senkrechten Streifen auf einigen Bildern erkennbar.
Über die grundsätzlichen Vorteile vom weiter oben beschriebenen Vorgehen in Sachen Intervallaufnahmen hinaus, zeigte sich am Rechner ein weiterer: Diese hellen, senkrechten Streifen "tanzen" über den Himmel, wenn man die Einzelbilder in schneller Abfolge hintereinander schneidet (Stichwort Zeitraffer). Das Ergebnis seht Ihr bei Interesse hier:
Das erste Mal Polarlichter. Überhaupt keinen Plan im ursprünglichen Sinn... Es war absolut phantastisch über das live Erlebte hinaus im Nachhinein zu sehen, was sich da in der Nacht vor uns abgespielt hatte. Auch, wenn die Polarlichter zu schwach waren, damit wir sie in voller Ausdehnung mit bloßem Auge hätten erkennen können... es war trotzdem grandios.
Glücklicherweise waren wir (natürlich) bei weitem nicht die Einzigen, die mitbekamen, was in der Nacht vom 05. auf den 06.11.2023 passiert war. Da wir in der Konstellation meistens in Sachen Wetter umtriebig sind, gehört die - aus unserer Perspektive - beste und zuverlässigste Quelle in Sachen Wettervorhersage (vereinfacht!) zu unserer täglichen Pflichtlektüre. Der sehr geschätzte Kai Zorn benannte die vergangene Nacht in seinem täglichen Video am 06.11.2023 folgerichtig und in unserem Sinne als "(...) historisches Ereignis (...)" und zeigte gleich mehrere Bildzuschriften aus ganz Deutschland und Norwegen.
Nun hatten wir ja bereits im "Selbststudium" gelernt, dass die Sonne regelmäßige Zyklen der Aktivität durchläuft und aktuell auf ein neues Maximum zusteuerte. Nicht zuletzt deswegen, aber auch, da wir erst am Folgetag und auch noch einige Zeit später realisierten, wie viel Glück wir bei der Beobachtung der Polarlichter hatten. Weit nördlich - okay. Im Norden Deutschlands - schon sehr rar. Aber mit bloßem Auge zu erahnen und das auch noch über dem SÜDEN Deutschlands... krass!
Insofern war das Thema Polarlichter bei uns beiden seit dieser Nacht ganz hoch im Kurs und es verging kaum mehr eine Woche, in der wir uns nicht durch diverse Informationsplattformen, Apps, YouTube-Video oder Ähnliches klickten.
Das Thema Datenschutz und vor Allem Urheberrechte machen es uns leider relativ schwer genau darzulegen, welche Informationen wir von welcher Stelle beziehen. Natürlich sind die Zuverlässigsten die offiziellen Webseiten, z.B. des "SWPC" (Space Weather Prediction Center) der "NOAA" (National Oceanic and Atmospheric Administration) oder des "DLR" (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt)
Etwas Theorie muss sein
Lange haben wir uns überlegt, wie wir Euch zumindest möglichst kurz ein paar Informationen zur Physik hinter der Entstehung von Polarlichtern darbieten können. Auf der einen Seite wollen wir natürlich primär unsere Bilder zeigen, auf der Anderen aber auch wie eingangs erklärt eine Geschichte erzählen. Und zur Geschichte gehört dazu, dass Ihr eine grobe Vorstellung vom Normalzustand habt und was im Verlaufe des 25. Sonnenzyklus für Informationen auf uns einprasselten.
Auch hier würden wir Euch gerne Beispielbilder unterschiedlicher Quellen zeigen, aber... Datenschutz. Daher müssen wir zumindest ein paar Worte verlieren - haltet durch ;-)
Nach unserer ersten Erfahrung, bot sich in den folgenden Wochen und Monaten ausreichend Zeit vieles zu lernen. Immer wieder kam es in der Folge zu kleineren Sonneneruptionen, die aber entweder keine Polarlichter hervorriefen oder von "schlechtem" - sprich wolkenreichem Wetter verdeckt wurden.
Was sind also überhaupt Polarlichter und wie entstehen sie?
Sonneneruptionen:
Hierbei wird Strahlung und Materie durch Neuverschaltungen von Magnetfeldlinien im Bereich eines oder mehrere Sonnenflecken ins Weltall geschleudert. Die Intensität der Eruption kann durch die Menge der freigesetzten Röntgenstrahlung (X-Ray Flux) gemessen werden. Beim "Space Weather Prediction Center" werden Sonneneruptionen nach Uhrzeit und Stärke sortiert aufgelistet. Die Skala umfasst die Kategorien A (schwach); B; C; M und X (stark). Gehen diese Eruptionen mit einem Koronalen Masseauswurf einher, welcher in Richtung Erde unterwegs ist, spricht man von einem sog. "Full Halo CME". Die Bezeichnung "Full Halo" rührt daher, dass die Eruption auf Aufnahmen des LASCO- Instruments (Large Angle and Spectrometric Coronagraph) des SOHO-Satelliten optisch kreisrund aussehen. Beachte: Nicht bei jeder Sonneneruption kommt es auch zu einem Koronalen Masseauswurf (KMA eng. CME).
Geomagnetischer Sturm:
Die Erde ist durch komplexe physikalische Prozesse im Erdinneren, vergleichbar mit der Funktionsweise eines Dynamos, durch ein magnetisches Feld (Magnetosphäre) vor beständig auftretenden Sonnenwinden geschützt. Treffen nun Teilchen einer erdgerichteten Sonneneruption auf dieses Magnetfeld, wird dieses gestört. Der Umfang dieser Störung wird an mehreren Standorten auf der Erde gemessen, durch den "DST-Index [nT]" angegeben und kann auf der Website des Data Analysis Center for Geomagnetism and Space Magnetism betrachtet werden. Je niedriger der Wert, desto größer die Störung des Magnetfeldes. Ab einem Wert von etwa -50nT spricht man von einem geomagnetischen Sturm. Bei -200nT sind Polarlichter selbst in Deutschland wahrscheinlich. Auf Grundlage des DST-Index wird die Stärke eines Geomagnetischen Sturms in 5 abgestufte Kategorien (G1 minor - G5 extreme) eingeteilt und beim Space Weather Prediction Center (SWPC) aufgelistet.
Die Vorgänge im Magnetfeld beim Auftreffen eines CME sind hochkomplex, würde hier zu weit führen und könnte von uns auch nicht zu 100% fachlich korrekt wiedergegeben werden. Daher soll vereinfacht folgendes reichen:
Die Partikelgeschwindigkeit wird in km/s gemessen. Werte um etwa 500 km/s sind normal.
Die Fluss(Sonnenwind)dichte Bx wird in p/cc (Protonen pro Kubikzentimeter) gemessen. Werte um und knapp über 0 sind hier normal. Wir selbst haben schon Polarlichter bei einer Partikeldichte von knapp über 5 p/cc beobachten dürfen.
Die Magnetfeldstärke Bz wird in nT (nanotesla) durch den ACE- Satelliten (Advanced Composition Explorer) und den DSCOVR- Satelliten (Deep Space Climate Observatory) gemessen und bezieht sich auf die Ausrichtung der Magnetfeldlinien der Sonne etwa 1,5 mio km von der Erdoberfläche entfernt. Sind diese entgegen, also senkrecht zu den Magnetfeldlinien der Erde (nördlich) ausgerichtet, ist der Bz-Wert deutlich im positiven Bereich. Hier können in der Regel keine Polarlichter entstehen, da die Partikel nicht bis zur Erdoberfläche vordringen können. Bei einer südlichen Ausrichtung (negative Bz- Werte) können Magnetfeldlinien des Magnetfeldes der Sonne mit denen des Erdmagnetfeldes interagieren. Hierdurch gelangen die Partikel deutlich leichter und in größerer Menge bis zur Erdoberfläche.
Theoretisch sind Polarlichter in Deutschland bereits bei niedrigen, negativen Werten möglich. Ab etwa Bz -5nT ist es möglich diese zu fotografieren. Ab -10nT können Polarlichter im Norden- bei -15nT selbst im Süden Deutschlands mit bloßem Auge sichtbar sein. Bei -20nT können sie bereits hell und deutlich sichtbar ausfallen. Bei Werten von um und unter -30nT können in ganz Deutschland und noch deutlich weiter südlich helle Polarlichter auftreten.
Der KP- Index ist ein globaler Wert, welcher auf einer Skala von 1 - 9 die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Polarlichtern angibt. Dieser beruht auf den gesammelten Daten aller Messstationen auf der Erde und taugt insofern kaum zur Vorhersage von Polarlichtern. Steigt der KP- Index, ist ein Geomagnetischer Sturm in der Regel bereits im Gang.
Polarlichter:
Jetzt brechen wir diese ganzen Informationen auf wenige Kernaussagen herunter. Chancen auf beobachtbare Polarlichter liegen vor, wenn:
1) es ist dunkel, der Mond steht nicht am Himmel oder befindet sich nah am Zeitpunkt des Neumondes
2) das Wetter ist klar - weder Wolken, noch Nebel oder Dunst sind vorhanden
3) ca. 48h zuvor kam es in einem Sonnenfleck(engebiet) auf der Sonne zu einem starken, erdgerichteten CME
4) die Geschwindigkeit des Sonnenwindes erhöht sich plötzlich - auf über 700 / 800 km/s
5) die Partikeldichte des Sonnenwindes beträgt mehr als 10 p/cc
6) das IMF ist südlich ausgerichtet, der Bz- Wert im Optimalfall längere Zeit um oder unter -10nT
7) Bonus: der Bt- Wert ist hoch, im Optimalfall über 12nT
Sind alle diese Voraussetzungen weitestgehend erfüllt, geschieht hoffentlich folgendes:
Die Partikel des bei uns auf das Erdmagnetfeld treffenden CME regen in unserer Atmosphäre Stickstoff- (blaues Licht) und Sauerstoffatome (grünes und rotes Licht) zum Leuchten an - Polarlichter werden in Höhen zwischen etwa 120 und 250 km sichtbar. Auf der Nordhalbkugel werden diese Aurora Borealis, auf der Südhalbkugel Aurora Australis genannt. Auf Grund der Ausrichtung des Erdmagnetfeldes sind diese Erscheinungen in der Regel nur in den Polregionen zu beobachten. Bei starken Sonneneruptionen, welche meist nur im solaren Maximum auftreten, werden große Mengen an Plasma mit hoher Geschwindigkeit ins Weltall geschleudert. Je heftiger die Eruption, desto wahrscheinlicher, dass sie bei uns das Erdmagnetfeld beeinflussen und selbst in Regionen, welche weiter vom Pol entfernt sind, Polarlichter sichtbar werden.
10.05.2024 - AR 3664
Wir schreiben den 09.02.2025. Dies markiert den Beginn unserer Bemühungen unsere vermutlich interessanteste, außergewöhnlichste, großartigste und auch glücklichste Foto-Session unseres Lebens öffentlich zugänglich aufzubereiten. Endlich... endlich sind wir so weit den Versuch einer dem Anlass gerecht werdenden Veröffentlichung zu starten.
Mensch, nach der Einleitung muss jetzt aber auch was geboten werden. Wird es! Wir hoffen, dass dieser Artikel für den geneigten Betrachter ein Vergnügen bietet. Den Wahnsinn aus der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 2024 auch nur ansatzweise verständlich und der Sache gerecht werdend zu schildern - beinahe unmöglich. Allein die verstrichene Zeit zwischen Erlebnis und dem Beginn der Verschriftlichung zeigt, dass es für uns etwas ganz außergewöhnliches darstellte. So viele Stunden für Sichtung, Sortierung und schließlich Bearbeitung der Bilder. Vermutlich könnte man, wenn man es auf die Spitze treiben wollen würde, ein ganzes Buch nur bezüglich dieser einen Nacht verfassen.
Für diejenigen, die die ganze Theorie weiter oben tapfer durchgestanden haben, kommt jetzt direkt die Begründung, warum das aus unserer Sicht nötig war. Nach den Erlebnissen im November 2023 tat sich auf der Sonne tatsächlich nichts wirklich Nennenswertes - zumindest aus unserer Sicht. Mehrere Anläufe haben wir getrennt voneinander in unserer jeweiligen Heimat gestartet, nachdem die eine oder andere kleinere Sonneneruption stattgefunden und auch die oben erläuterten Werte reagiert hatten.
Allein - es gab nichts, aber auch wirklich gar nichts zu fotografieren oder gar zu beobachten.
Im Mai 2024 trat ich also den nächsten Urlaub an und bereits Tage vor der Anreise witzelten wir uns eine Lage zurecht, derzufolge natürlich jetzt, wo ich wieder gen Chiemgau startete, Sonneneruptionen stattfinden müssten.
Und dann... ja und dann... jetzt wird es schwierig, weil sehr, sehr emotional. Kaum war ich in Reit im Winkl eingetroffen, kaum den ersten gemeinsamen Kaffee auf Balkonien in Sachrang beim lieben Dirk geschlürft, bot sich uns beim Blick auf die oben genannten Informationsseiten tatsächlich ein Anblick, den wir so zuvor noch nie gesehen hatten. So zeigte sich auf aktuellen Aufnahmen der Sonne seitens des SWPC eine Ansammlung von mehreren Sonnenflecken unterschiedlicher Größe, alle jedoch auf einem kleinen Bereich der Sonne konzentriert. Die einzelnen Flecken waren in ihrer Polung deutlich unterschiedlich und wirr durcheinander gemixt. Die Wahrscheinlichkeit eines "Kurzschlusses" und somit einer starken Sonneneruption war somit deutlich erhöht. Bereits hier waren wir bar erstaunt über die Dynamik, die sich in dem Sonnenfleckengebiet zeigte. Trotzdem zogen wir es in Gesprächen noch immer in's Lächerliche. Eine kräftige Sonneneruption ausgerechnet jetzt zu diesem Zeitpunkt... nein, so viel Glück konnten wir nicht haben.
Wie beschreibt man nun Erlebnisse, die mit Worten nicht zu beschreiben sind? Zumindest nicht mit Worten, die uns zur Verfügung stehen und auch nur ansatzweise das ausdrücken würden, was wir vermitteln wollen. Es ist eine einzige Überforderung! Überwältigende und ehrfürchtige Überforderung!
Über unsere Erlebnisse zu reden, zu schreiben und letztlich auch die Bearbeitung des gesammelten Bild- und Videomaterials - es überfordert uns beide und hat nun bereits mehr als zwei Jahre in Anspruch genommen. Und auch jetzt, wo wir Bilder und Videos in größerem Umfang veröffentlichen, dauert die Bearbeitung einzelner Bilder noch an. Egal zu welchem Zeitpunkt und in welcher Stimmung ich mich an die Bilder setze, es geht immer nur eine kurze Dauer gut, dann muss wieder eine Pause her. Mittlerweile mehr als zwei Jahre nach den weiter unten beschriebenen Erlebnissen stehen uns beiden die Haare noch immer beinahe schmerzhaft zu Berge, sobald wir daran erinnert werden.
Unsere Geschichte begann etwas mehr als 48 Stunden zuvor, also am 08.05. bzw. in der Nacht vom 08. auf den 09.05.2024. Zu diesem Zeitpunkt kam es auf der Sonne in einem Bereich erhöhter Aktivität (Sonnenfleckengebiet AR3664) zu gleich mehreren Eruptionen. Eine App, welcher Daten des "Space Weather Prediction Center" (SWPC) zugrunde liegen, wies die Eruption als eine Sonneneruption der Stärke "X1" aus. Apropos: Was bedeutet "AR 3664" überhaupt? Die Abkürzung "AR" wird für jedes aktive Sonnenfleckengebiet auf der Sonne (engl.: active region) durch die NOAA mit fortlaufender Nummer vergeben.
In den folgenden Stunden kam es zu gleich mehreren (drei) Eruptionen innerhalb kurzer Zeit, welche allesamt erdgerichtet waren. Da das durch diese Eruptionen ausgestoßene Plasma mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs war, überlagerten sich die "Materiewellen" und verstärkten sich genau beim Eintreffen in der Erdatmosphäre gegenseitig. Als wir am Vormittag des 09.05.2024 aus Gewohnheit die Bilder der Satelliten LASCO in unterschiedlichen Farbspektren betrachteten, war diese Überlagerung freilich noch nicht zu erkennen. Lediglich sog. "Full Halo" - Eruptionen waren zu erkennen. Mindestens eine Sonneneruption war also auf dem Weg zur Erde. Nun zeigt die Erfahrung - etwa 48 Stunden später dürfte es interessant bei uns werden. Also... was tun.
Und da begannen die ersten Probleme aufzukeimen. Wann GENAU würden uns die Teilchen treffen? Und wie wäre dann die Ausrichtung des Erdmagnetfelds? Reicht die ausgeworfene Masse überhaupt aus um bei uns Polarlichter hervorzurufen? Wie würde das Wetter werden? Welchen Standort sollten wir auswählen? Welche Technik sollten wir einsetzen? Zunächst einmal war ziemlich schnell klar, dass wir es definitiv irgendwie versuchen müssen. Die Überlagerung der Materiewelle wurde bald auch durch die Sonnenwind-Vorhersage gemäß "Goddard-Modell" bestätigt. Diese Tatsache sollte später einer der Hauptgründe für die grandiosen Erlebnisse des 10. Mai werden.
Bei der Suche nach möglichen Standorten und weiteren Informationen zum aktuell stattfindenden Ausbruch auf der Sonne, stießen wir erstmalig auf die diversen Videos des geschätzten "LPIndie", welcher sich u.a. auch mit den Vorgängen auf der Sonne befasst und welche mittlerweile zur beinahe alltäglichen Standard-Lektüre gehören, wenn es um Sonnenaktivität geht.
Beim ersten Blick auf sein aktuellstes Video zu dem Thema vom 09.05.2024, welches wir mit freundlicher Genehmigung hier verlinken dürfen, dachten wir zunächst an maßlose Übertreibung in der Aufmachung. Rückwirkend betrachtet muss man sagen - er hatte noch maßlos UNTERtrieben.
Das Verlinken soll primär keine Werbung für seinen Kanal darstellen, sondern lediglich vor Augen führen, welche Informationen aus den bereits erwähnten Modellen abzulesen waren und - allein auf Grund des Vorschaubildes rechts - welchem positiven Stress wir uns nun ausgesetzt sahen.
Da bei solch Ereignissen nie abschließend geklärt werden kann, wie lange das Plasma bis zur Erde braucht, hielten wir es für denkbar, dass bereits in der Nacht auf den 10.05. Polarlichter am nördlichen Himmel zu sehen sein könnten. Daher trafen wir uns mit einem weiteren Fotoverrückten am Nachmittag des 09.05.2024 oberhalb der Gemeinde Samerberg an der dortigen Kapelle - genau dort, wo wir bereits am 05.11.2023 Erfolg bei der Sichtung von Polarlichtern hatten. Von dort aus bietet sich ein unverstellter Blick gen Nord-Ost.
Zunächst konzentrierten wir uns auf alt Bewährtes - einen wirklich schönen Sonnenuntergang.
Das Ganze fingen wir natürlich auch im Zeitraffer ein:
Parallel hat es sich mittlerweile zur Tradition entwickelt während solch Fotosessions nie hungrig zu werden. Für leibliches Wohl sorgte an jenem Abend - wie so oft - der liebe W.
Nun sind wir nach vielen Jahren der Gewitterfotografie ziemlich firm darin einen passenden Standort für eben jene zu finden - jeweils abhängig von Wettervorhersagen und eigenen Befindlichkeiten (so ist ein Kombi als Transportmittel für Ausrüstung mittlerweile beinahe unterdimensioniert). Wenn es jedoch um Polarlichtfotografie geht, sind andere Faktoren erfolgsentscheidend, mit denen wir uns bis dato jedoch noch nicht sonderlich ausgiebig beschäftigt hatten. Die bekannten Örtlichkeiten im Vorland sind blicktechnisch in der Regel mit dem Auto leicht zu erreichen und grob gen West ausgerichtet (von dort ziehen meist die Gewitter auf). Für die Fotografie von Polarlichtern sind beide Faktoren eher hinderlich, da diese meist eher im Norden am Himmel stehen und mit dem PKW leicht erreichbare Stellen öfter auch unter Lichtverschmutzung leiden. Die oben beschriebene Örtlichkeit am Samerberg bietet zwar Aussicht, jedoch kaum widererkennbare Landmarken. Außerdem ist er gerade im Sommer zu niedrig gelegen, sodass die Gefahr besteht mitten im frühsommerlichen Dunst zu stehen, während darüber die Polarlichter tanzen.
Insofern war die Auswahl erreichbarer Örtlichkeiten unter den genannten Voraussetzungen recht eingeschränkt. Möglichst unverstellter Blick gen Nord; erhöhte Lage um weiter ins bzw. übers Land schauen zu können und über den Dunst zu gelangen; im Optimalfall bekannte Landmarken im Blickfeld; unweit des Wohnortes wegen vorgerückter Stunde - schließlich dachten wir noch über die Heimkehr nach erfolgreichem Einfangen einzelner Bilder nach - ein ziemlich lustiger Gedanke aus heutiger Sicht...
Vor nicht allzu langer Zeit bestanden Überlegungen auf der Kampenwand in einer Hütte zu übernachten um von dort Aufnahmen von Sonnenunter- und -aufgängen, sowie der Milchstraße zu fertigen. Bis heute weiß ich nicht genau, wie der Gedanke genau aufkam - jedenfalls Stand der Name eines der bekanntesten Gipfel der Chiemgauer Alpen plötzlich im Raum. Über die weiteren Herausforderungen des Gesagten noch gar nicht nachgedacht, wollten wir versuchen am Nachmittag des 10.05.2024 mit der Kampenwandbahn bis zur SonnenAlm auf etwa 1500m Höhe zu fahren. die letzte Bergfahrt sollte um 16:30 Uhr stattfinden. Der Sonnenuntergang war auf Grund fortschreitender Jahreszeit erst gegen etwa 20:30 terminiert. Die Zwischenzeit wollten wir nutzen, um uns oberhalb der Bergstation einen passenden Standort zu suchen (selbst der Hauptgipfel wurde zwischenzeitlich als Option gehandelt), die Technik aufzubauen und auszurichten - und zu hoffen. Einzig die Art und Weise der Heimkehr blieb bis zuletzt eher... sagen wir nebulös. Die wahrscheinlichste Variante war der fußläufige Abstieg irgendwann um oder kurz nach Mitternacht.
Bestärkt durch Berichte und Warnungen vor einem bevorstehenden geomagnetischen Sturm der Stärke "G4" (Skala G1 bis G5) trafen wir uns am frühen Mittag des 10.05.2024 im Bergsteigerdorf Sachrang oberhalb von Aschau im Chiemgau. Bei Speis und Trank erörterten wir letzte Details des Planes, sortierten ein letztes Mal die Ausrüstung (möglichst gewichtsparend wegen des anstehenden Abstiegs zu fuß mitten in der Nacht...) und machten uns schließlich gegen 15:00 Uhr auf den Weg zur Talstation der Kampenwandbahn. Befürchtungen evtl. keinen Parkplatz zu finden, erwiesen sich schnell als völlig unbegründet. Zu dieser Zeit befanden sich nur noch vereinzelt Fahrzeuge auf dem großen Parkplatz in Hohenaschau.
Und dann ging es aufwärts. Auch an die Betreiber der Kampenwandbahn an dieser Stelle ein Dankeschön für die angenehme und unkomplizierte Beförderung. Ohne Diese wäre ein solch grandioser Abend wie der folgende nicht möglich gewesen (und nein, eine abendliche Bergwanderung zur Erreichung des Ziels kam aus unterschiedlichen Gründen nicht in Frage).
Mit der Burg Hohenaschau im Rücken ging es der Bergstation entgegen. Noch war es so warm, dass wir selbst im T-Shirt beinahe ins Schwitzen gerieten:
Oben angekommen, zeigte sich das Wetter von seiner beinahe schönsten Seite. Dennoch war auf Grund der windschwachen Verhältnisse eine dicke Dunstschicht über dem Alpenvorland zu erkennen. Allein deswegen waren wir uns schon zu diesem Zeitpunkt sicher für die Umstände erst einmal alles richtig gemacht zu haben.
Die letzten Besucher brachen in diesen Momenten auf, um entweder die letzte Talfahrt zu nutzen oder den Abstieg anzugehen.
Selbstverständlichen waren wir beide schon des öfteren um und auf der Kampenwand unterwegs und kannten uns aus. Allerdings hatten wir die Örtlichkeiten noch nie unter dem Gesichtspunkt bewertet, von wo aus Polarlichtfotografie am besten gelingen könnte. Also begaben wir uns mal wieder auf Terrainerkundung:
Vorbei an der SonnenAlm, dem vorgelagerten KAB-Bergkreuz und der gegenüber liegenden Kampenwandhütte des DAV ging es zwischen Kampenwand und dem Staffelsteinfelsen hindurch in Richtung Steinlingalm auf der Nordseite der Kampenwand. Von dort wollten wir einen Blick auf den Gipfelaufbau wagen und abwägen, ob es tatsächlich machbar wäre dort oben Position zu beziehen. Schon am KAB-Bergkreuz wären wir jedoch beinahe kleben geblieben. Bietet sich doch von dort bereits ein einmaliger und unverstellter Blick über den Chiemsee nach Nord-Ost und über das gesamte Vorland - mit Kreuz im Vordergrund. Aber es war ja erst 16:00 Uhr und daher wanderten wir ganz entspannt weiter. Hinterhalb der Steinlingalm stand die Gedenkkapelle in beinahe perfektem blau, lediglich durchbrochen von schneeweißen Cirren (feinste Eiskristalle in der Troposphäre - DWD). Nördlich der Steinlingalm führt ein schmaler Pfad auf einem Südhang hinauf zum "Sulten". Von der Alm aus wirkte das dortige Gipfelkreuz ebenfalls exponiert, weswegen wir uns entschieden noch bis dort hinauf zu wandern und den Ausblick in Richtung Norden zu prüfen. Auf Grund der Ausrichtung des Hanges fanden wir dort ein Meer aus Frühblühern vor. Ständig abgelenkt und zum Fotografieren gezwungen, dauerte unsere Gipfelbesteigung reichlich lange - aber wir hatten ja Zeit.
Am Sulten angekommen, bot sich uns dann tatsächlich ein sehenswertes Panorama - insbesondere zurück in Richtung Kampenwand. Leider war der Blick gen Nord durch kleinere Bäume und Latschen eingeschränkt und auch Freiraum, um sich zwischendurch mal ausgiebiger zu bewegen, bot diese Stelle nicht wirklich. Also war schnell klar, hier würden wir nicht lange verweilen.
Allerdings fanden wir zumindest ein Plätzchen, welches durch Latschen etwas gegen den Wind aus Nord-ost abgeschirmt war. Insofern hieß es erst einmal noch: Brotzeit und die Sonne genießen. Eile hatten wir noch immer nicht und zu diesem Zeitpunkt kam dann doch auch etwas Zweifel an der ganzen Aktion auf. Die relevanten Echtzeitdaten bezüglich Magnetfeldausrichtung, sowie Geschwindigkeit und Masse der Teilchen bewegten sich alle im üblichen Rahmen, kein Anzeichen eines bevorstehenden geomagnetischen Sturms.
Trotzdem natürlich gut gelaunt - keiner weiß, wo auf einmal die Musik herkam, allein, sie passte perfekt - genossen wir wir letzten wärmenden Sonnenstrahlen.
Kaum war die Musik verklungen - der Schock. Und was für einer! Ein (weiterer) Blick aufs Handy offenbarte: Die oben im Theorieabschnitt bereits angesprochenen Messwerte reagierten. Sie reagierten nicht nur, sie schossen in unterschiedliche Richtungen, wie wir es noch nie zuvor gesehen hatten. Der Bz rauschte deutlich unter -30, die Dichte auf über 30 und die Geschwindigkeit auf über 800.
Die Sonne stand noch relativ hoch über dem Horizont und so kam zu diesem Zeitpunkt, direkt nach der ungläubigen Begeisterung bezüglich der Werte, die Panik auf, der Geomagnetische Sturm könnte beendet sein, sobald es dunkel geworden wäre...
Es war ja bereits klar, dass wir am Sulten nicht bleiben wollten. Bis hinauf zum Gipfel war es viel zu weit und in finsterer Nacht auf einem Steig... nein. Es blieb eigentlich nur der kleine Vorsprung am KAB- Kreuz, an welchem wir auf dem Weg zum Sulten bereits vorbeigekommen waren und als potenziellen Standort ausgemacht hatten.
Insofern warfen wir um 20:03 Uhr einen letzten Blick gen Kampenwandgipfel, dann ging es schnurstracks zurück in Richtung KAB-Gipfelkreuz:
Wie der geneigte Leser bemerkt - den wirklichen Masterplan hatten wir immer noch nicht im Kopf und so ergab sich vieles aus der Situation heraus. Eigentlich hatte ich gehofft an solch seltener Stelle den Sonnenuntergang in einem Zeitraffer festzuhalten. Glaubte ich ja immer noch nicht so wirklich an die Sichtbarkeit deutlicher Polarlichter, so wollte ich "zumindest" mit einem weiteren Zeitraffer der untergehenden Sonne über einer meiner Lieblingsregionen Deutschlands aufwarten zu können. Entsprechend leicht geknickt war ich (zunächst), als ich bereits deutlich vor dem Eintreffen am KAB- Kreuz realisierte... dat wird nix mehr mit dem Sonnenuntergang. Es wurden daher "nur" ein paar Einzelbilder.
... und manchmal sind es dann die kleinen Dinge, die einem Freude bereiten. Bei solch romantischem Motiv muss man einfach ein Foto machen. Zur Sicherheit: Wenigstens im Anschluss haben wir um Erlaubnis gebeten ;-) Was wir hier noch nicht ahnten: Daraus ergab sich eine sehr interessante Bekanntschaft, die wir bis heute im Rahmen des Möglichen pflegen. Dazu später mehr.
22:03 Uhr:
Nach diesen dann doch sehr versöhnlichen Momenten kehrte etwas Ruhe ein. Die Kameras waren ausgepackt und lagen bereit, die Stative waren aufgebaut und weitestgehend den Vorstellungen gemäß ausgerichtet... Schließlich wurde uns klar, dass es eigentlich mittlerweile schon recht dunkel geworden war. Im Nord-Westen war zwar noch immer reichlich Farbe des Sonnenuntergangs im Spiel, allerdings nur noch auf den Bildern der Kameras zu erkennen. Für das menschliche Auge war es fast schon schwarze Nacht.
Zuvor hatte ich gelesen, dass selbst in unseren Breiten starke Polarlichter mit dem Handy gut zu fotografieren wären. Ich erinnerte mich daran und hielt - beinahe schon gelangweilt - das Handy grob in Richtung Nord-Ost.
Noch bevor ich die Langzeitbelichtung starten konnte, zeichnete sich auf dem Bildschirm ein rötlicher Schimmer ab. Mit deutlich steigendem Puls, noch aber ruhig, startete ich probeweise die Belichtung an einer der großen Kameras. Es entstand das erste Bild dieser denkwürdigen Polarlichtnacht:
22:19 Uhr:
... und dann musste wieder einmal alles ganz schnell gehen. Mehrere Testfotos schießen: ja, es ist tatsächlich Farbe im Himmel. Also - Zeitraffer starten - aber es war noch viel heller als geplant. Die voreingestellten Werte passten nicht, also wieder zurück in eine zumindest Teilautomatik, aber die ISO-Werte... zwischendrin völlig begeistertes Brüllen aus dem Off: gucke mal hier und gucke mal da... es brach das bei uns beinahe übliche Chaos aus - mit dem Unterschied, dass sich dieses Chaos auch relativ schnell wieder legt... normalerweise. Ab diesem Moment (das wussten wir nur noch nicht) sollten wir die ganze Nacht hindurch bis in den Sonnenaufgang vollkommen am Anschlag und pausenlos unter Strom stehen... im wahrsten Sinn.
Als nach ein paar Minuten der Zeitraffer zuverlässig lief, testete ich erneut mit dem Handy... und da begann dann endgültig der Atem zu stocken. So sehr hatte sich der Anblick gewandelt... und das in nur wenigen Minuten:
Wie gesagt - ein Handybild!! Man erkennt die relativ schlechte Qualität, das Bild rauscht ziemlich stark, aber so deutliche Polarlichter hatten wir bis dato noch nie gesehen. In ihrer Helligkeit, den einzelnen Streifen und den Farben klar abgegrenzt zum restlichen Himmel, welcher noch immer teils unter dem Eindruck der blauen Stunde stand. Selbst beim Blick in Richtung Osten war auf den Aufnahmen des Handys noch etwas gelb und orange des Sonnenuntergangs zu erahnen.
Im Bildvordergrund zeichnen sich die nördlichen Ausläufer der Kampenwand (der markante Staffelstein Felsen) als pechschwarzes Gebilde vor der grauen Masse des Chiemsees ab.
Anhand der Tatsache, dass selbst die hellen Lichter, die uns aus Richtung Bernau am Chiemsee entgegen strahlten, im Vergleich zu den Polarlichtern nicht überbelichtet sind, zeigt, wie hell eben jene bereits zu diesem Zeitpunkt waren.
So dauerte es auch nicht lange, bis sie mit bloßem Auge zunächst als diffuse graue Streifen direkt vor uns erkennbar wurden.
Wir stolperten dann praktisch von Minute zu Minute in ein neues Superlativ, von dem wir jeweils dachten, es könne nicht mehr überboten werden. Und nach jeder weiteren Minute... wurde es überboten. Das nächste Bild entstand quasi zeitgleich zum Handybild oben. Es zeigt die gleichen Helligkeitsstreifen, nur in weit höherer Auflösung und mit einem wesentlich lichtstärkeren Objektiv. Bei den deutlich zu erkennenden Helligkeitsstreifen handelt es sich um Bereiche erhöhter Partikeldichte, welche natürlich in der Folge mehr Atome der Atmosphäre zum Leuchten anregen. Sie werden auch "Beamer" genannt. Besonders deutlich ist hier noch die Färbung des späten Sonnenuntergangs links im Bild, sowie die Lichter von Prien am Chiemsee und Bernau, zu erkennen:
Etwa 30 Minuten waren seit unserer ersten Sichtung der rötlichen Färbung vergangen. Die letzten Farben des Abendrots waren nun endgültig verflogen. Im tiefen Schwarz der Nacht, wurden die Polarlichter im Verhältnis immer heller und heller. Wie bei jedem Bild verweisen wir gern auf die Lichter von Bernau und Prien, welche nun sogar schon beinahe zu verblassen schienen. Selbst auf der Oberfläche des Chiemsee spiegelte sich die rötliche Färbung des Himmels. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich unsere Augen so an die Dunkelheit gewöhnt, dass wir nicht mehr nur die grauen Vorhänge an Beamern am Himmel vor uns hängen sahen, sondern auch die Färbung selbst. Natürlich ist der Eindruck live vor Ort nicht so farbenprächtig gewesen, wie bei den folgenden Bildern, trotzdem war der Eindruck des uns beinahe völlig umfassenden Rottons atemberaubend.
22:47 Uhr:
Bei den Bildern oben handelt es sich nicht um ein klassisches Panorama, sondern um zwei zeitlich versetzt aufgenommene Fotos mit der gleichen Kamera. Es liegen nur wenige Sekunden zwischen den beiden Aufnahmen. Die Unterschiede in Farbe und Helligkeit sind dennoch deutlich. Links ist das KAB- Kreuz unter dem untergehenden Mond zu erkennen. Der Blick schweift dann von Nord-West über Nord ins rechte Bild nach Nord-Ost. Wir hatten also ein nahezu 180- Grad Panorama voller Polarlichter direkt vor uns. Erstmalig nahmen wir hier auch eine aufkommende, leicht grünliche Färbung nahe des Erdbodens - bzw. in großer Entfernung wahr.
Wenn wir uns zurück erinnern: Bereits im November 2023 stolperten wir über einen gleichmäßig rötlichen Streifen am Himmel. Auch heuer bildete er sich direkt über uns und verlief in einem leichten Bogen direkt über der Kampenwand. Dieser Bogen wird auch SAR- Bogen (Stable Auroral Red) genannt. Normalerweise ist dieser für das menschliche Auge unsichtbar - wie auch in 2023. Heuer jedoch...
Zu diesem Zeitpunkt gesellte sich unsere Bekanntschaft vom Sonnenuntergang wieder zu uns und überraschte mit heißem Tee für alle. Was wir nämlich bis dato noch nicht registriert hatten - es war mittlerweile dann doch empfindlich kühl geworden. Für solch Nebensächlichkeiten wie unserem Kälteempfinden blieb jedoch weder Zeit noch Raum:
Die Bilder sind allesamt nicht wesentlich länger als 2 bis maximal 4 Sekunden mit niedrigen ISO-Werten belichtet. Die Helligkeit der Polarlichter nahm immer mehr zu, die Farben wechselten nahezu im Sekundentakt. Was jedoch besonders im Nachhinein auffällt ist, dass zumindest anfänglich die Verteilung der Farben noch relativ gleichmäßig war. Dies sollte sich bald ändern.
Noch umgab uns größtenteils nahezu perfektes Rot mit etwas grün-gelblichem Unterton.
Aus einer Schnapsidee heraus... auch dieses Bild ist lediglich 2 Sekunden belichtet und zeigt "Die Gefährten" gegen 23:01 Uhr vor klatschrotem Himmel. Selbst der Boden wurde mittlerweile deutlich rötlich angestrahlt.
Das KAB- Bergkreuz in Szene gesetzt. In der Kombination geradezu unglaublich. Der Mond tauchte mit fortschreitender Stunde immer weiter ab, hindurch durch den sich ausweitenden SAR- Bogen und hinein in die nachlassenden, zu diesem Zeitpunkt leicht pink leuchtenden, Beamer. Direkt hinter den schemenhaft durch die Bäume schimmernden Lichtern Münchens sollte er wenig später untergehen:
Als sich die beiden oben genannten Teelieferanten gegen 23:30 Uhr schließlich verabschiedeten, um in der knapp oberhalb des KAB- Kreuz gelegenen Kampenwandhütte zu nächtigen, ließ die Polarlichtaktivität leicht nach. Die einzelnen Beamer verschwanden größtenteils und wurden ersetzt durch ein leichtes, aber all umfassendes rötlich-violettes Glimmen. Der SAR- Bogen weitete sich immer mehr aus, stand recht bald nicht mehr nur vor oder über, sondern sogar hinter uns, weit im Süden. Wie wir später erfuhren, wurden Polarlichtsichtungen in dieser Nacht bis nach Italien und gar Spanien hinab gemeldet.
Das zuvor bereits in schmalem Streifen am Horizont latent glimmende Grün, weitete sich mehr und mehr nach Süden aus. Dies geschah recht schleichend und zögerlich. Während wir mit dem bloßen Auge kaum noch Färbung im Himmel ausmachen konnten und bereits vom Ende der (selbst bis hier hin schon absolut grandiosen) Show ausgingen, färbte sich die Oberfläche des Chiemsee gegen 00:30 Uhr grünlich ein, nachdem sie bis dahin in sattem rot erstrahlte:
Nach dieser gefühlten kurzen Pause (wir gehen mittlerweile davon aus, dass sich die CMEs zwar grundsätzlich überlagerten, zwischenzeitlich jedoch trotzdem ein kleines Minimum in der Partikeldichte auftrat. Noch dazu kam es zu riesigen Schwankungen bei der Magnetfeldausrichtung. Der Bz schnellte zwischenzeitlich auf Werte knapp über +60, was im Grunde tödlich für Polarlichterist), wechselte der optische Eindruck erneut - und zwar innenhalb von Sekunden. War in einem Moment noch immer kaum Farbe im Himmel auszumachen, brach wenige später ein wahres Feuerwerk los, welches alles davor gesehene noch deutlich in den Schatten stellte. Dies wurde durch einen deutlichen Abfall des Bz begleitet, welcher kurz nach 23:00 Uhr wieder auf Werte unter -40 abfiel.
Spoiler: Ganz am Ende des Berichts findet Ihr eine Zeitrafferaufnahme, in der genau dieses plötzlich auftretende Feuerwerk bestens auszumachen ist.
00:31 Uhr:
Zunächst tauchten die deutlich sichtbaren Beamer wieder auf, flitzten in hohem Tempo von links nach rechts über den Himmel und auch die Farben intensivierten sich, sodass wir wieder den Eindruck hatten unter einer gigantischen Infrarotdusche zu stehen. Selbst das Grün weiter im Norden war mit bloßem Auge zu erkennen. Auch wir hüpften vor Begeisterung von links nach rechts, hüben nach drüben, auf und ab, die Kameras glühten und auch die mitgeführten Ladegeräte waren mit leeren Akkus völlig überfüllt. Die Zeit... hatten wir vollkommen vergessen. Ein Blick auf die Metadaten der folgenden Bilder zeigen - seit dem "Höhepunkt" der Pause und den folgenden Bildern waren lediglich 6 Minuten vergangen.
00:36 Uhr:
Nur mal zum Vergleich - zwei Handybilder. Zeitpunkt und Ausrichtung sind vergleichbar:
Oben satt rot, darunter in violett übergehend, dazwischen plötzlich aufblitzendes Grün bis hinein ins Türkise... Es war wirklich alles dabei - und mit bloßem Auge deutlich sichtbar. Zunächst war der Eindruck eines Vorhangs direkt vor uns noch gegeben. Relativ schnell jedoch zog dieser Vorhang an Polarlichtern noch weiter gen Süden, sodass er direkt über uns stand. Also... ein Blick nach oben:
01:31 Uhr:
Diese grünlichen Lichtpunkte tauchten plötzlich und meist nur für wenige Sekunden inmitten der ansonsten überwiegend rot oder violett anmutenden Beamer auf. Die Episode, in welcher diese Flecken auftauchten und vergingen, dauerte "nur" etwa 60 Minuten an und markierte die stärksten Momente des geomagnetischen Sturms. Er erreichte zu diesem Zeitpunkt die höchste Stufe "G5".
Die grünliche Färbung sollte mir etwa 1,5 Jahre später bei Polarlichtern, die ich in meiner Heimat beobachten durfte, noch einmal begegnen.
Im Folgenden: Von rechts nach links - die Seitenansicht von der Kampenwand, der Staffelstein Felsen und im Vorland der Chiemsee.
Übrigens, auch das weite Vorland nahm diese spektakulären Farben an. Die benannten Beamer gingen (angesichts der Beobachtungshöhe von rund 1500m) vor uns nach unten und zumindest zeitweilig konnte man sehen, wie diese bis nach ganz unten ins Vorland zum Boden reichten.
Es ist einfach soooo UNGLAUBLICH!!!
Anhand des für uns eher untypischen Wechsels auf Hochkant- Aufnahmen zeigt, dass wir teils vollkommen damit überfordert waren, die Szenerie irgendwie einzufangen. Selbst die Brennweite unseres Ultraweitwinkels (11-24mm auf Vollformat) reichte nicht aus, alles auf Film zu bannen.
Auch in der Hochkantansicht ist nur zu erahnen, welcher optische Eindruck sich uns bot. Teils blickten wir von unserem Standort aus senkrecht nach oben, dass uns der Nacken weh tat. Wir beobachteten, wie sich die Beamer hoch über uns bildeten und sich mit unvorstellbarer Geschwindigkeit nach unten zum Erdboden - direkt auf uns zu - ausbreiteten. Es wirkte wie eine Partikelrutsche, etwas Gigantisches, das direkt auf uns herab stürzt. Wir waren beinahe geneigt in Deckung zu gehen, weil sich teils der Eindruck ergab, als würden wir vom Himmel erschlagen.
Wie so oft sind diese Eindrücke, wie eingangs angedroht, nicht durch Worte zu beschreiben. DAS muss man wirklich erlebt haben um es zu verstehen.
Über dem Chiemsee - absolut unglaublich, was sich da für ein Lichtertanz bot ...
Der Blick vom KAB-Bergkreuz Kampenwand nach Süden in Richtung Kampenwandhütte. Das Polarlicht, die Milchstaße und eine Sternschnuppe ...
Man bedenke, bei dem roten Lichtband am Himmel handelt es sich um den SAR- Bogen, welcher normalerweise für das menschliche Auge unsichtbar ausfällt - hier taucht er selbst die Landschaft um uns herum, insbesondere alle helleren Objekte, wie z.B. die Kalkfelsen und Wege, in mystisches Rot.
Rechts im Bild der Berg ist die Seitenansicht unserer Kampenwand. Mittig im Bild der Staffelsteinfelsen, wobei rechts direkt daneben im Hintergrund die Steinlingalm mit Gedenkkapelle liegt. Links im Bild unten im Vorland der Chiemsee ...
02:47 Uhr:
Mit dem folgenden Bild verbinde ich so viel. Unter all den tausenden in dieser Nacht entstandenen Bildern, sticht dieses in meinen Augen hervor. Nicht, weil es die tollsten Farben, die hellsten Beamer oder ein großartiges Motiv zeigt. Nein, es ist das Gefühl, welches sich hier bei mir Bahn brach. Steuerten wir doch mittlerweile auf die Morgendämmerung zu und dieses unfassbare Himmelsspektakel wollte einfach nicht enden. Wir erlebten das wohl Größte und Schönste, was wir jemals, vermutlich auch zukünftig, erleben durften. Letztlich ist wohl alles auf natürliche Gesetzmäßigkeiten zurückzuführen und erklärbar. Persönlich fühlt man sich angesichts dessen, was wir hier die ganze Nacht bewundern durften, unendlich klein und unbedeutend. Was für ein unglaubliches Geschenk genau zu diesem Zeitpunkt, mit genau dem / den Menschen an genau diesem Ort leben zu dürfen, Dinge zu sehen und zu erleben, die noch heute, mehr als 2 Jahre nach den Ereignissen, zu Tränen der Rührung und Freude führen... Das Bild entstand um 03:33 Uhr - in einem Moment unendlicher Dankbarkeit und Demut:
Die Konzentration der farblich intensivsten Beamer östlich des Chiemsee markierte den Einstieg in die Morgendämmerung. Selbst, als der erste bläuliche Schimmer weit im Osten aufkam, waren die Beamer noch eine ganze Weile mit bloßem Auge zu erkennen. Wie überrascht wir waren, als wir beim Sichten der Bilder nicht nur die phantastischen Farben und Formen erblickten, sondern auch im Morgengrauen eine Sternschnuppe, welche offenbar durch uns völlig unbemerkt ihre Bahn über dem Chiemsee zog und weiter östlich verging:
04:34 Uhr:
Trotz schnell herein brechender Dämmerung, waren noch lange die einzelnen Beamer zu erkennen. Selbst als sich der Himmel im Osten deutlich sichtbar verfärbte, huschten sie noch immer von links nach rechts über den sich mehr und mehr blau einfärbenden Himmel:
05:28 Uhr:
Wie viel davon im Vorland lag, erkannten wir erst so richtig, als die Sonne langsam direkt über der Steinlingalm aus dem Dunst auftauchte.
Das KAB-Kreuz im Blick der Webcam an der Kampenwandhütte:
Die gesamte Nacht durchwacht - stimmt bei mir zumindest nicht ganz. Kurz nach Sonnenaufgang setzte ich mich in die Felsformation direkt am KAB-Kreuz ,um die wärmenden Sonnenstrahlen zu genießen.
Leider steht an der Kampenwandhütte eine Webcam, die bezeugte, wie ich den Kampf gegen die Müdigkeit kurzzeitig verlor.
Da links der blaue Punkt... ein völlig erledigter und überwältigter Schlafbär.
Etwa 07:30 Uhr...
Von den Ausblicken am KAB-Kreuz satt gesehen, völlig fertig, ausgehungert und halb verdurstet entschieden wir uns die wenigen Meter zurück in Richtung der Bergstation der Kampenwandbahn zu wandern. Dort würde sich schon eine Bank in der Sonne finden, auf der wir die Eindrücke aus der Nacht nachwirken lassen könnten.
Schritt für Schritt schleppten wir uns den relativ steilen Weg hinab. In der morgendlichen Sonne wirkte die auf dem Weg liegende SonnenAlm, welche ihrem Namen an diesem Tag alle Ehre machte, unglaublich einladend. Obwohl die Alm definitiv und erkennbar noch geschlossen war, betraten wir alle Scheu und Zurückhaltung über Bord werfend den Innenraum, wo uns der himmlische Duft frisch gebrühten Kaffees und Gebäcks im Ofen empfing.
Sichtlich verdutzt ob der Anwesenheit annähernd lebendiger und mit etwas Phantasie menschlicher Wesen zu dieser Urzeit, reagierte das anwesende Personal unglaublich freundlich und zuvorkommend. So wurde uns wie selbstverständlich (was wir definitiv nicht so verstanden) jeweils ein Kaffee eingeschenkt und der Zutritt zur Sonnenterrasse gestattet. Mensch, wie glücklich wir dort in der Sonne mit Blick gen Süd über die teils noch verschneiten Berge an diesem köstlichen Kaffee nippten.
Die Gefühle, die wir dort auf der Terrasse durchlebten, sind nicht mit Worten zu beschreiben. Vermutlich muss man solch ein Erlebnis selbst erfahren haben, um nachvollziehen zu können, was in uns vorging. Eine Zwiebelschicht nach der anderen fiel in der warmen Sonne. Mit der letzten Restenergie in den Kameraakkus betrachteten wir ungläubig die ersten Bilder auf den internen Monitoren, konnten noch immer nicht recht glauben, was diese in der Nacht aufgezeichnet hatten... obwohl wir es doch live und in Farbe mit den eigenen Augen bewundern durften.
Auf die schüchterne Frage, ob wir noch einen zweiten Kaffee bekommen könnten, bekamen wir nicht nur eben jenen, sondern noch Croissants - frisch aus dem Ofen versteht sich. Selbstredend trug hier die Stimmung einen Großteil bei - ich habe noch nie zuvor oder danach so lecker und entspannt gefrühstückt!
Nicht nur das Frühstück durchlebte eine Evolution - in der nächsten Stufe wurde dann aus einer Tasse Kaffee eine ganze Kanne, sowie ein Kännchen frischen Tees - auch unsere Emotionen kannten kein Halten. Man möge es glauben oder nicht, verstehen oder nicht, am Ende liefen dem einen oder anderen Freudentränen in den Bart hinein.
Zwischenzeitlich war das Interesse des Personals an uns zwei Vagabunden doch groß, zumindest nachdem klar war, welche Fotos wir quasi direkt hinterm Haus aufgezeichnet hatten. Es entwickelte sich ein kurzes Gespräch, trotz der nötigen Vorbereitungen auf den sonnigen Tag, welcher eine große Besucherzahl erwarten lies. Dass wir inmitten dieser Arbeiten dermaßen aufmerksam und zuvorkommend umsorgt wurden, ruft bei uns nach wie vor tiefe Dankbarkeit dem Team der SonnenAlm gegenüber hervor, welche wir an dieser Stelle noch einmal zum Ausdruck bringen wollen!
Wäre die Nacht mit all ihren Eindrücken, der Kälte und dem Schlafmangel nicht dermaßen anstrengend gewesen, dass uns dann in der Sonne schließlich doch beinahe die Augen zugefallen wären, hätten wir vermutlich den ganzen Tag auf der Terrasse der SonnenAlm verbracht.
Die erste Bahn ins Tal wurde es trotzdem nicht. Während sich die ersten Besucher bereits Richtung Gipfel aufmachten, bestiegen wir gegen 10:00 Uhr eine der Gondeln, welche uns sicher zurück nach Hohenaschau brachte.
Die kurze Fahrt zurück nach Sachrang bewerkstelligten wir den Umständen entsprechend erstaunlich gut. Noch schlug die Müdigkeit nicht vollständig durch. Die Kraft reichte sogar noch aus, um im Dorf beim Bäcker des Vertrauens ein "Pfundsbrot" zu erwerben. Für ein (weiteres) Frühstück reichte es dann aber nicht mehr. Die etwa 30-minütige Rückreise zu meiner Unterkunft in Reit im Winkl gestaltete sich dann schon deutlich schwieriger. Wäre diese auch nur um ein Weniges länger ausgefallen, müssten wir uns jetzt vermutlich über grobe Unverantwortlichkeiten unterhalten.
Vermutlich kennt es der Eine oder Andere - besondere Ereignisse verbindet man oftmals mit Gerüchen oder sonstigen Sinneseindrücken.
Als ich in's Auto einstieg und in Sachrang aufbrach, war das erste Lied, das auf Antenne Bayern gespielt wurde, "Broken Sunshine" von Michael Schulte. Nun ist mir bewusst, dass der Text trotz des Begriffs "sunshine" nichts mit dem Erlebten zu tun hat - allein, ich fand es sofort unglaublich schön und irgendwie passend. Seit dem muss ich jedes mal, wenn ich dieses Lied hören darf, an jene phantastische Nacht auf den 11.05.2024 denken - als uns AR 3664 ein unfassbares Spektakel bereitete.
Gegen Mittag zurück in Reit im Winkl gab es dann nur noch einen Weg - den ins Bett. Überwältigt und voll ehrfürchtiger Überforderung schlummerte ich sofort ein.
Damit wäre der Tag, bzw. die Nacht mehr oder weniger auserzählt. Natürlich könnten wir noch weit mehr Worte finden, mehr Bilder zeigen... aber wer liest das dann noch. Ein Letztes bleibt jedoch noch zu zeigen. Zwei Kameras liefen mehr oder weniger vom Augenblick des erstmaligen Sichtbarwerdens der Polarlichter am Abend des 10. bis zum Sonnenaufgang am 11.05.2024 durch und schossen alle 4 Sekunden ein Bild. Jedes Bild ist jeweils 2 Sekunden belichtet. Die insgesamt rund 3000 Fotos habe ich in einem einzigen Zeitraffer zusammengefasst. Es war, allein aufgrund der schieren Masse an Daten, aber auch wegen der ständig, teils von einem Foto zum nächsten, deutlich wechselnden Lichtverhältnisse, eine absolute Herausforderung diesen Zeitraffer einigermaßen frei von Flackern zu bekommen. Das Flackern was nun noch übrig ist, wird eben durch unterschiedliche Helligkeiten der plötzlich auftretenden Beamer und Lichtpunkte, insbesondere beim Eintreffen der zweiten Plasmawelle nach der kurzen Ruhepause, hervorgerufen. Wir empfehlen, den Zeitraffer nach Möglichkeit in höchster Auflösung zu betrachten. Viel Vergnügen:
30.08.2024 / 23:11 Uhr
Abermals ein deutlich fotografisch nachweisbares Polarlicht hier unten an den Alpen
Beobachtungspunkt: Zwischen Törwang und Obereck am Samerberg oben an der Aussichtskapelle
Leider sind wir schon im Spätsommer und die Wetterlage mit einer schwül warmen Luftmasse ist über einige Tage sehr eingefahren. Das bedeutet zu Septemberbeginn dunstig trübe feuchte Luftschichten, was den Blick auf´s Polarlicht teilweise arg stören kann. Was zu dieser Phase vom Polarlicht besonders war, deutlich größere und grünliche Farbflächen mischten sich weiter oben am Horizont mit ein. Und auch gut sichbare Sternschnuppen sind wieder mit in den 2 Bildern ...
11. bis 13.08.2024
Polarlichter und Perseiden am Niederrhein
In den Nächten vom 11. auf den 12.08. und vom 12. auf den 13.08.2024 erreichte uns ein koronaler Massenauswurf der Sonne und verursachte einen geomagnetischen Sturm der Kategorie "G3". Das ist schon ganz ordentlich und reicht aus, um selbst in der Mitte Deutschlands Polarlichter hervorzurufen. Zeitgleich fand der Höhepunkt der Perseiden statt. Wenn Polarlichter schon nicht außergewöhnlich genug sind, kommen noch "Sternschnuppen" zeitgleich dazu. Diese sind im gezeigten Zeitraffer jedoch - wenn überhaupt - nur durch ein kurzes Aufblitzen zu erahnen. Alles was länger sichtbar ist und gefühlt schnell über den Himmel rast, sind in erster Linie Satelliten und Flugzeuge.
Ein Klick auf das jeweilige Foto vergrößert dieses.
Direkt nach Sonnenuntergang und noch mit etwas Resthelligkeit, zeigten sich die größten Bolliden. Nachdem sich der Traum eines nächtlichen Gewitters direkt hinter dem Kraftwerk mittlerweile schon erfüllt hatte, sollten mir / uns an diesen zwei Abenden auch noch "Sternschnuppen" und Polarlichter hinter und über dem Kraftwerk geboten werden.
Zunächst war von den erwarteten Polarlichtern nichts zu sehen. Auf einer Decke am Rheindeich liegend, beobachteten wir die Perseiden, wie einer nach dem anderen über den Nachthimmel flitzte. Auf Grund der nicht unwesentlichen Lichtverschmutzung bei uns im Westen, waren leider "nur" die größeren Brocken beim Verglühen zu beobachten.
Oben:
Zur Verdeutlichung - Unterschiede zwischen Lichtspuren eines Flugzeugs (oben links) und einer "Sternschnuppe" (unten rechts).
Rechts:
Trotz reichlich Lichtverschmutzung ist die Milchstraße klar erkennbar.
Unten:
Was mit bloßem Auge nicht zu erkennen war, zeichnete die Kamera zu vorgerückter Stunde auf: Der Himmel im Norden begann leicht violett zu leuchten:
Nachdem dieser etwas größere Brocken über dem Kraftwerk verglüht war und ich mir die Aufnahme ansah, bemerkte ich glücklicherweise das violette Glimmen am Horizont und startete die Intervalltimer meiner Kameras. Sie zeichneten somit beinahe den gesamten Zeitraum vom Beginn bis Ende der Polarlichtshow auf.
Diese begann mit zunächst ganz feinen Beamern, wie wir sie schon in unendlich ausgeprägter und mit bloßem Auge sichtbarer im Mai kennen gelernt hatten. Es dauerte jedoch nicht lange, da waren auch hier bei uns die kräftigeren Beamer als dünne graue Schleier zu erahnen:
Da es nach der Dämmerung noch weiter nachdunkelte und die Polarlichter an Stärke zulegten, wurden diese immer intensiver. Selbst mit bloßem Auge waren schließlich die Bewegungen der einzelnen Beamer von links nach rechts zu erkennen.
Auch hier wieder die üblichen Fotos der Kamera, während sie belichtet. Die rote Kontrollleuchte - nebst den Positionslichtern an den Schornsteinen des Kraftwerks - zeigt, dass an den Farben keine übermäßigen Anpassungen vorgenommen wurden:
So schnell, wie die Polarlichter einsetzten, waren sie auch schon wieder verschwunden. Trotzdem hätte das Timing nicht sein können. Was für zwei grandiose und unvergessliche Nächte!
Die jeweils interessantesten Stunden im Zeitraffer:
Für Interessierte gibt es hier noch ein paar Hintergründe zur Verfahrensweise und Kameratechnik bezüglich der Bildern oben:
Zu den Üblichen Schwierigkeiten bei der Polarlichtfotografie, welche wir ja bereits weiter oben zur Genüge beackert haben, kam im August noch erschwerend das Maximum der Perseiden hinzu. "Sternschnuppen" sind meist nur für den Bruchteil einer Sekunde sichtbar. Wählt man eine kurze Belichtungszeit an der Kamera, ist die Wahrscheinlichkeit geringer Sternschnuppen zu fotografieren.
Polarlichter sind deutlich beweglich, das heißt, sie tanzen regelrecht über den Nachthimmel. Die stärksten Konzentrationen bewegen sich meist in helleren, senkrechten Lichtsäulen von links nach rechts und wieder zurück (wie man in den beiden Zeitraffern oben auch gut erkennen kann). Damit es hier nicht zu "Bewegungsunschärfe" kommt, man also die Lichtsäulen deutlich erkennen kann, empfehlen sich hier eher kürzere als längere Belichtungszeiten.
Für Sternschnuppen würde ich am liebsten 20-, für Polarlichter höchsten 5 Sekunden belichten. Ein Kompromiss um beidem halbwegs gerecht zu werden, war eine Belichtungszeit von 10 Sekunden. Der Zeitraffer löste alle 12 Sekunden aus. Das heißt, während der Aufzeichnung des Zeitraffers verpasst man lediglich 10 Sekunden pro Minute. Daher war die Ausbeute an Sternschnuppen - trotz recht hoher Lichtverschmutzung in unserer Gegend am Niederrhein - ziemlich hoch. Die Ergebnisse oben sprechen für sich.
Hinzu kommt natürlich auch noch der Bildausschnitt. Hier empfiehlt sich eine möglichst geringe Brennweite (Weitwinkel) um möglichst große Areale des Himmels abzudecken. Insbesondere bei der Zeitrafferfotografie kommt es auf einen möglichst großen Bildausschnitt an - zumindest, wenn man dynamische Szenen, wie z.B. Wetter oder eben Polarlichter ablichten will - da man nie genau vorhersagen kann in welchem Bildbereich sich die Szenerie abspielen wird.
Je lichtstärker das Objektiv ist, desto besser werden die Fotos, da man weniger Strom am Lichtsensor anlegen muss (ISO) oder die Belichtungszeit herabsetzen kann, ohne dass das Bild beginnt zu rauschen.
Wir legen großen Wert darauf unsere Bilder generell nicht übermäßig zu bearbeiten. Es wäre jedoch gelogen zu behaupten, hier wäre Photoshop gänzlich unbeteiligt. Wir zeichnen alle Bilder in RAW (Canon Rohdatenformat) auf. Hier MUSS eine Nachbearbeitung erfolgen. Insbesondere durch die an sich nicht zueinander passenden Lichtsituationen (wenig bis kein Licht aufgrund dunkler Nacht, trotzdem intensive Farben mit feinsten Verläufen durch Polarlichter) erfordern eine manuelle Anpassung des Weißabgleichs und auch der Intensität der Farben (Dynamik und Sättigung). Diese müssen bei der Polarlichtfotografie in der Regel leicht verringert werden, da die Farben ansonsten viel zu extrem erscheinen. Insofern sind die entstandenen Bilder immer leicht subjektiv und sehen bei unterschiedlichen Fotografen und verschiedenen Kameras meist etwas anders aus, obwohl es sich um die selbe Szene handelt.
Verwendet habe ich die Canon EOS R5 mit einem Canon RF 15-35mm F2,8 bei 15mm Brennweite.
Besser geht ein Timing nicht! Mitten zum Silvesterfeuerwerk ...
Angekündigt war für den 31.12.2024 ein Sonnensturm der Stärke G3. Und das mitten am Tag, wo natürlich eine Beobachtung unmöglich ist. Die NOAA regelte selbigen im Laufe des Tages deutlich auf einen G1-Sturm herunter. Wie das ab und an so ist - "Gut Ding will manchmal Weile haben". Tja, mit Verspätung kam das Polarlicht trotzdem an! Und das genau zum Jahreswechsel zwischen 23.20 und 00.30Uhr, also genau über Mitternacht. Fotografisch deutlich, kurzzeitig sogar visuell sichtbar - also mal mehr, mal weniger stark stand es am Nordhimmel. Tja, nur hat es das flache breite Vorland mit der zunehmenden Abschusszahl an Raketen hin zu Mitternacht sich selbst verdeckt. Denn bei solch stark ausgebauter Inversionswetterlage dienen die freigesetzten Rußpartikel vom Feuerwerk als Kondensationskeime und der eh schon vorhandene Dunst und Nebel wird stärker und stärker ... somit konnte man es kaum sehen, war aber deutlich da.
Ich hatte Glück und bemerkte es noch frühzeitig. Also fix die Kamera geschnappt und hoch auf den Berg. Schon beim Ausstieg aus dem Auto zeigte es sich. Es umrahmte meinen Hausberg, den Spitzstein in voller Pracht.
Fotografisch kann das Jahr direkt vor der Haustüre nicht besser enden und neu starten!
Was für ein irres Timing ...
Und wenn man es nicht selbst gesehen hat, man glaubt es kaum - genau um Mitternacht zum Jahreswechsel!
Und da es so einige Zweifler und Zweiflerinnen zwecks Polarlicht genau zu Silvester um Mitternacht gab und gibt, man kann es gerne auf dives Webcams wie zum Beispiel unter ...
https://www.foto-webcam.eu/webcam/kampenwand/2025/01/01/0000
https://www.foto-webcam.eu/webcam/kampenwand/2024/12/31/2335
https://www.foto-webcam.eu/webcam/kampenwand/2024/12/31/2358
https://www.foto-webcam.eu/webcam/funtenseetauern/2024/12/31/2335
https://www.foto-webcam.eu/webcam/funtenseetauern/2024/12/31/2350
https://www.foto-webcam.eu/webcam/funtenseetauern/2024/12/31/2358
https://www.foto-webcam.eu/webcam/rauris/2024/12/31/2335
usw. bewundern.
Man bewege sich dabei im benannten Zeitraum hin und her.
18.10.2025
Ja eigentlich wollte ich den Kometen fotografieren! Aber dann ...
Tja, eigentlich wollte ich am 18.10.2025 endlich den Kometen C/2025 A6 Lemmon am nordwestlichen Nachthimmel fotografieren. Das hat eh wieder ewig gedauert, um ihn vor die Linse zu bekommen. Zumeist war daran wieder das liebe Wetter schuld. Wolken, Dunst und Nebel - die Herbst üblichen Verdächtigen! Somit gings am besagten Abend raus zum Samerberg an die Kapelle, denn endlich passte der Himmel halbwegs.
Ich hatte den kleinen Wutzl recht schnell im Visier, war aber sofort von seiner unspektakulären Art zu diesem Datum überrascht. Na da hab ich in der Vergangenheit schon gaaanz andere Kometen-Kaliber vor der Linse gehabt! Somit machte sich ein klein wenig Enttäuschung breit.
Wie ich mir aber die geschossenen Kometenbuidl auf dem Monitor der Kamera so beguckte, fiel mir sofort die Färbung vom Himmel auf. Leicht rötlich, je näher der Horizont kam!?!?!?!? Da gingen bei mir sofort die Polarlicht-Lampen im Kopp an! Man hatte ursprünglich für diese Nacht Polarlichter angesagt. Nur diese Vorhersage wurde für's alpine Ländle zumindest in lohnender Stärke wieder herausgenommen!
Somit waren die vorhergesagten Chancen sehr gering.
Nur wer lässt sich denn bitte noch von irgendwelch Polarlichtvorhersagen -ja, nein, vielleicht- ins Bockshorn jagen!?
Also schraubte ich das Teleobjektiv ab und wechselte auf Weitwinkel. Und siehe da, ein kräftiger grünes Airglow zeigte sich und ...
... und von Minute zu Minute baute sich eine sogenannter SAR-Bogen (stable Auroral Red arc) auf und immer weiter aus. Das war wortwörtlich absolut zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das Timing hätte nicht besser sein können. Somit ließ ich den Wutzl-Kometen links liegen und widmete mich dem auf –und ausbauenden Polarlicht.
Und so kam es wie schon oft in der hoffnungsvollen Polarlichtvorhersage ...
Angekündigt - Abgesagt oder nichts angekündigt und plötzlich ...
... ja plötzlich stand es wie mit dem Lichtschalter eingeschaltet über'm Ländle ....
Ab rund 21Uhr gab es über die gesamte Nacht Polarlichter in drei Schüben - fotografisch wie auch deutlich visuell . Gegen 21.30Uhr für gut 20min sehr deutlich mit einem G3 Sturm. Unter besagt roten Bogen war sogar ein grünlich-gelber deutlich sichtbar. Das ist für eine Polarlichtbeobachtung über'm Ländle schon sehr selten.
Ich war natürlich wieder absolut hin und weg! Gänsehaut, euphorisch - einfach überwältigt!
Besagter roter Bogen von West nach Ost und seltenem grün-gelblich darunter schaltete sich nach einer gewissen Zeit für gut 40Minuten komplett aus.
Weg war's!
Alle wichtigen Werte in den Apps gingen nach unten und setzten neuerliche Polarlichtchancen eigentlich auf null. Nichts war auf den Fotos mehr zu sehen.
Aber wer nun dachte "das war's jetzt" irrte gewaltig!
Ich konnte es kaum glauben, war völlig baff. Denn urplötzlich schaltete man den Polarlichtschalter wieder ein. Man zeigte aber eine völlig andere Choreografie! Klar, Abwechslung muss sein! Und jetzt tanzten wunderschöne Beamer am Himmel!
Was ein fotografisches wie auch visuelles Polarlichtereignis wieder! Ich kann es für's alpine Ländle hier nur immer wieder sagen!
Alles unterhalb dieser gestrichelten Linie wird noch bearbeitet...
Polarlichter, Nordlichter oder auch Aurora Borealis
Hier unten im Süden von Deutschland, besonders aber bis über die Alpen ein recht seltenes, in Norddeutschland schon eher zu beobachtendes Ereignis. Und wenn man es dann hier unten über den Alpen noch ohne fotografischen Nachweis, also mit den bloßen Augen begucken kann - das ist fast schon eine Sensation.
ABER, es gibt sie und 2024 (auch schon 2023, aber in 2024 deutlich und weiter zunehmend) ist angesichts hoher Sonnenaktivität ein hoffnungsvolles Jahr, um dieses Schauspiel fotografisch, wie auch visuell, bewundern zu können. Im November 2023 war das schon der Fall und selbst hier unten in und über den Alpen konnte man es ohne fotografischen Nachweis zumindest kurzzeitig bestaunen.
Aber was in der gesamten Nacht vom 10./11.05.2024 passierte, ja das hatte schon absoluten Seltenheitswert. Ohne Kamera, mit Kamera und in allen erdenklich typischen Farben - von der ersten bis zur letzten Minute der Nacht präsentierte sich dieses seltene, fantastische Spektakel ohne auch nur eine Sekunde Pause.
Auch weiterhin kommen neuerliche Polarlichtsichtungen und somit neue Beiträge auf unserer Webseite hinzu.
Man hat wohl noch lange nicht fertig!? Somit sind Chris und ich gut beschäftigt. Aber es macht unglaublich viel Spaß! Ob beim Fotografieren selber, den Bearbeitungen der Bilder und Zeitraffer oder beim Webseitenbasteln. Allein wir lernen fleißig dazu.
Und noch ein Punkt zu den Polarlichtern ...
Wie schon geschrieben, so zum Teil fantastisch ausgeprägt sind Polarlichter über unserer Heimat nicht wirklich oft zu sehen.
Man muss es einfach betonen:
So unglaublich schön, ja eigentlich irre in ihrer Pracht - am Ende wohl ein heimatliches Erlebnis, welches man so wohl nur einmal in seinem Leben zu Gesicht bekommt. Es DAHOAM also nur einmal in seinem Leben erleben wird. Klar, ich kann mich in ein Flugzeug setzen, ich kann mich auf ein Schiff begeben, um dieses fantastische Naturschauspiel bereisend zum Erlebnis zu machen. Aber ich strebe bei meinen Fotoabenteuern irgendwo gerne nach heimatnahen Erlebnissen. Und mal ehrlich, ich muss nicht zig weit in die Ferne reisen, um fantastische, schöne Dinge zu sehen. Hier in meinem Chiemgauer Ländle und drumherum gibt´s so viele davon! Und sogar irrwitzige Polarlichter! Ich musste "nur" 40Jahre drauf warten ...
Und somit sind die zwei Protagonisten der Webseite alleine vom Erlebnis "Polarlichter auf der Kampenwand" und den davon gemachten Bildern samt Zeitraffern absolut überwältigt. Die gesamte geplante und erlebte ""Aktion"" - wir zwei Buidlbuam können es noch immer nicht begreifen. Bei jedem Bild, das vom Ereignis noch immer entwickelt und bearbeitet wird, bei jedem Zeitraffer den man sich anguckt, jede Erinnerung an diese eine Nacht da oben am Berg vor dieser gewaltigen Lichterkulisse... da fehlen selbst mir die Worte!
Daher bekamen Polarlichter auf der Webseite in 2024 eine extra Überschrift!
Die Datenmengen, welche allein in benannter Nacht (vom 10./11.05.2024 ) entstanden, sind so gigantisch, dass wir mit unserer Zeit und Rechnerleistung kaum hinterherkommen. Auch die weiteren Polarlichtbeobachtungen selber ebben über´s gesamte Jahr nicht ab und so kommt Ordner für Ordner neu hinzu. Insofern sind Berichte auf unserer Webseite weiterhin in der Entstehung und werden in den kommenden Wochen und vermutlich Monaten immer weiter ausgebaut. Auch weitere Zeitraffer sind in Arbeit. Und ein wirkliches Ende der grundlegend aktiven Sonne bis ins Jahr 2025 hinein - somit auch weitere Chancen auf Polarlichter - ist nicht in Sicht.
Neue Polarlichtsichtungen
AR 4341
19.01.2026 - Ein irrer Kracher an Polarlichtnacht
So, der Sonnenzyklus läuft ja noch und brachte einen dritten sehr heftigen Sonnensturm. Und was man wieder sehen und erleben durfte - Freiluftkino das es besser nicht geht! Dieser Sturm erreichte abermals G5 und im KP-Index 9 bis 10. Dieser hält nach seiner stärksten Phase auch noch an und wird somit 2Tage am Stück aktiv sein. Aktuell gibt' s immer wieder unterschiedlich starke Peaks, welche zumeist (hier auf's alpine Ländle bezogen) fotografisch, kurzzeitig aber auch visuell zu bestaunen sind. Mit seiner komprimierten Hautphase war es einer der stärksten Sonnenstürme der letzten Jahrzehnte. Ein Wort dazu, ob ein solcher Sturm auf der Erde Schäden anrichten kann, denn ich werde ab und an danach gefragt. Sagen wir mal so, bis das es bei uns zu schwerwiegenden, wirklichen Störungen bei Energie und Versorgen oder auch in der Telekommunikation kommt, so muss solch ein Sturm schon noch ein ganz anderes Kaliber auffahren. Ich würde schätzen, dass er sich dafür mindestens mal verdreifachen, wenn nicht sogar vervierfachen müsste. Aber es ist schon ein gewaltiges Szenario, was sich zumindest in absolut fantastischen Bildern zeigt. Hier ein paar erste Buidl aus der Region Frasdorf im Chiemgauer Ländle. Der Chris wird aus NRW noch absolut irre, fantastische und phänomenale Bilder, besonders aber auch Zeitraffer zeigen. Wie immer zählt - das sind sehr große Datenmengen, die Zeit dafür ist nicht immer direkt verfügbar, somit braucht es bissle Zeit! Ihr könnt Euch aber sicher sein, der Computer qualmt schon, weil er rechnet und läuft ohne große Pausen.
Das Polarlicht am 19.01.2026 beginnt ...
... und wird recht schnell zum kaum zu überbietenden Ereignis. Solche Bilder im Chiemgau sieht man eigentlich kaum und sind eher auf skandinavische Regionen beschränkt.
Bilder benannter Peaks nach dem Hauptszenario ...
Weitere absolut spektakuläre Bilder und auch Zeitraffer aus NRW vom Rheinufer wie auch hier aus dem Chiemgauer Ländle folgen in den nächsten Tagen! Bleibt also wie immer schön neugierig!
Noch immer AR 4341 - Nun der Eindruck aus NRW:
Wie viel Glück wollen Sie haben? - Ja! Mit dem nahezu unverschämten Glück, welches wir bereits im Mai 2024 hatten, als Dirk und ich die massiven Polarlichter von der Kampenwand aus beobachten durften, dachten wir eigentlich es wäre damit aufgebraucht. Eine Erfahrung für's Leben. Die war und bleibt es natürlich auch. Allerdings sollte es, wie sich nun zeigt, nicht die letzte gewesen sein.
So ereignete sich (knapp 900 Sonnenflecken später) am 18.01.2026 ein koronaler Massenauswurf auf der Sonnenoberfläche. Dieser wurde als X1.9 klassifiziert und sorgte in der Folge für einen der stärksten Strahlungsstürme, welche je in Richtung Erde aufgezeichnet wurden. Allein dieser zeigte, dass zumindest ein Teil des Auswurfs in Richtung Erde unterwegs war. Aufgrund der Rahmendaten prognostizierte die NOAA umgehend das Bevorstehen eines Geomagnetischen Sturms der Stärke von mindestens G3, evtl. G4 am 19. oder 20.01.2026..
Die extrem hohe Geschwindigkeit der ausgestoßenen Partikel deutete auf eine kurze Reisezeit und somit sehr zeitiges Eintreffen am Erdmagnetfeld hin. Bereits am frühen Abend des 19.01.2026 stiegen die Strahlungswerte in den Bereich eines S4 (19:18 Uhr). Heftige Schwankungen bei der Magnetfeldausrichtung der Erde gegen 19:50 Uhr zeigten das baldige Eintreffen des Sturms an. Die Werte rauschten innerhalb weniger Augenblicke von um 0 auf rund -40 Bz hinab, während die Gesamtstärke des Magnetfeldes auf 90 Bt hinauf schnellte.
Trotz des Frühdienstes in der laufenden Woche und des daraus resultierenden latenten Schlafmangels, machte ich mich also in der Hoffnung auf erneute zumindest leichte Polarlichter auf den Weg zu einer meiner Standard-Beobachtungspositionen am Rhein in Dinslaken.
Wenn ich geahnt hätte was mich dort erwarten sollte... es bleibt nur zu hoffen, dass niemand der hinter dem Deich wohnhaften Menschen ein Video von dem Gestörten unten am Wasser gefertigt hat - man könnte ein seltsames Bild von mir erhalten...
Bei meinem Eintreffen an der ehemaligen Mündung der Escher - früher die Kloake des Ruhrgebiets - tat sich noch NICHTS. Trotzdem stellte ich umgehend meine Kameras auf, da die Erfahrung mittlerweile zeigt, dass Polarlichter gerne urplötzlich kommen - und auch wieder gehen. Kaum waren zwei Kameras erfolgreich eingerichtet, startete ich die erste auf Verdacht mit einer Intervallaufnahme. Alle 6 Sekunden nahm diese in der Folge ein Bild auf, welches im Maximum 4 Sekunden belichtet wurde. Kaum waren die ersten Bilder im Kasten, zeigte eine Kontrollaufnahme mit dem Handy tatsächlich etwas Farbe rechts des im Abbruch befindlichen Steinkohlekraftwerks bei Mehrum südlich von Dinslaken.
Innerhalb weniger Minuten verstärkte sich das Polarlicht so sehr, dass es schnell mit bloßem Auge sichtbar war. Trotz des stärkeren Sturms im Mai, konnten wir bei dieser Gelegenheit nur leichte Färbung erahnen. Statt dessen waren die einzelnen senkrechten oder leicht schräg verlaufenden "Beamer" deutlich erkennbar.
Am 19.01. zeigte es sich genau anders herum. Das Polarlicht war im Allgemeinen eher verwaschen, dafür visuell deutlich farbiger. Das Rot war gegen 22:00 Uhr so deutlich sichtbar, dass selbst die Spiegelung auf dem Wasser des Rheins deutlich erkennbar war. Selbst die hell erleuchteten Positionslichter der noch stehenden Schornsteine des Kraftwerks wurden deutlich überstrahlt. Über den gesamten nördlichen Himmel zog sich ein riesiger roter Bogen, der sich leicht pulsierend immer weiter verstärkte.
Apropos Ende: Im Video erkennt man gut - es kam genau wie weiter oben als anfängliche Befürchtung bereits ausformuliert: Beinahe wie bei einem Lichtschalter endete die grandiose Show beinahe genau so schnell, wie sie begann. Lediglich ein leichter grünlicher Schimmer weit im Norden, bzw. roter Schimmer direkt vor mir über den gesamten Himmel (sog. "air glow") verblieb noch einige Zeit. Dieses rote Nachglühen war selbst zwei Tage später noch fotografisch nachweisbar.
So oft habe ich bereits an genannter Örtlichkeit ausgeharrt und auf Polarlichter oder andere sehenswerte Dinge gewartet... und mir dabei den ARSCH abgefroren... und das bei weit höheren Temperaturen als in der Nacht auf den 20.02.2026. Beim Verräumen meiner Utensilien gegen 00:30 Uhr stellte ich dann überrascht fest, dass alles um mich herum fröhlich vor sich hin glitzerte. Auch das Autodach zierte eine deutliche weiße Schicht. Da kann man mal sehen - Polarlichter heizen scheinbar so sehr ein, dass sie selbst Frost vergessen lassen.
Auf dass der aktuelle Sonnenzyklus noch ein wenig am Rande seines Maximums verbleibt und uns allen noch einmal Chancen auf solch grandiose Eindrücke geboten werden.
Vielen Dank für's Zuschauen. Herzliche Grüße und bis bald!
In den letzten Wochen ...
immer wieder schöne, zum Teil recht deutlich ausgeprägte Polarlichter am Niederrhein (über NRW) aber
auch hier unten an und in den Alpen.
Ja was ist denn jetzt bitte los!?
Wir befinden uns hier doch auf der Polarlichtseite und sind knallige Rot, Lila, Rosa, Orange usw. Bilderfarben gewöhnt!? Aber was ist das denn hier!? Grün!?
Was ist dem Fotografen denn da kurioses vor die Kamera gekommen??? Welch ein farbliches Kontrastprogramm?
Noch bin ich am Abklären, um was es sich ganz genau handelt.
Ich meine aber, dass es sich hier um eine starke Form eines sogenannten "Airglow" handelt.
Auch bekannt unter dem noch wenig erforschten magischen "Alpenleuchten". Dabei handelt es sich um ein schwaches grünes, gelbes, bräunliches oder manchmal violettes oder sogar rotes Leuchten in der nächtlichen Erdatmosphäre. Aber in dieser Nacht, vor der eine anhaltende und absolut außergewöhnliche Polarlichtphase stattgefunden hat, war es schon extrem stark. Es war deutlich mit den blosen Augen zu sehen. Selbst die Landschaft und der Nebel darunter nahm diese Farbe an.
Bei Interesse - ich habe dazu einen kleinen Film in der BR Mediathek gefunden.
Hier ist der Link dazu ... https://www.br.de/nachrichten/wissen/airglow-die-jagd-nach-dem-alpenleuchten,RoVgf4j
Oder auch dieser Beitrag beim BR ... https://www.br.de/radio/bayern2/alpengluehen-lichtzauber-in-den-bergen-100.html
Sobald ich mehr in Erfahrung bringen konnte, werde ich es hier natürlich schnellstmöglich mitteilen!
Eine tolle Polarlichtbeobachtung ist grundlegend vom Wetter beeinflusst resp. abhängig. Klar, als Erstes brauchts eine möglichst freie Sicht. Aber auch wenn: Selbst mit Wolken kommen immer wieder tolle, unglaublich eindrucksvolle und faszinierende Bilder zustande.
Ich finde zum Beispiel die nächsten drei Bilder unglaublich beeindruckend.
Gerade halt auch mit den Wolken! Durch die Langzeitbelichtung – im rechten Bild scheinen sie mit dem Polarlicht regelrecht zu tanzen.
Und daher kann es dann passieren, dass ein Himmel plötzlich ausschaut wie Rote Grütze mit Vanillesoße, wo man mit einem Löffel drin umgerührt hat.
Oder hier im Buidl ...
Es heißt ja eigentlich Nordlicht. Nun geht der fotografierende Blick aber nach Süden. Ist das Polarlicht so stark wie hier im Beispiel, nehmen Wolken die Farben auf. Übrigens auch alles, was unten am Boden ist. Auch der gesamte Himmel des Südens ist in seiner Farbe deutlich verändert. Ich beobachte dabei zum Beispiel viel intensivere, aber auch sehr unterschiedliche Blautöne. Und "spielen" dann unterschiedlich stark bunte Wolken, Polarlichtfarben, der freie Himmel mit Sternen samt veränderte Farben am Boden miteinander, so wird´s schnell surreal.
Polarlichtbilder sind oft unglaublich, faszinierend und unbegreiflich.
Dieses Bild hier wurde genau beim Eintreffen eines absolut massiven Impacts gemacht. Die Werte waren für europäische Verhältnisse extrem und erfüllten einen G5 Sonnensturm. Bei solch einer Sonnensturmstärke ist mit heftigen geomagnetischen Effekten zu rechnen. Weitere Maßeinheiten sind BZ und KP Werte. Nur kurz und sehr vereinfacht dazu:
Der Bz-Wert ist eine Kenngröße für die Magnetfeldstärken von . Dabei gilt für die Beobachtung von Polarlichtern: Je geringer (negativ) dieser BZ Wert ist, desto wahrscheinlicher ist das Auftreten von Polarlichtern über Europa.
Der KP-Index ist der globale geomagnetische Aktivitätsindex für Polarlichter,
Dieser Index reicht von 0 bis 9. Ein Wert von 0 bedeutet, dass es sehr wenig geomagnetische Aktivitäten gibt. Ein Wert von 9 bedeutet dagegen extreme geomagnetische Stürme. Die Werte dazwischen sind somit die Abstufungen geomagnetischer Stürme. In Zahlen und Bedeutung sieht das dann wie folgt aus ...
Ein G0 Sturm = KP Wert 0-4 bedeutet ruhig bis leicht aktiv
Ein G1 Sturm = KP5 bedeutet geringer Sturm
Ein G2 = KP6 bedeutet moderater Sturm
Ein G3 = KP7 bedeutet starker Sturm
Ein G4 = KP8 bedeutet schwerer Sturm
Ein G5 = KP9 bedeutet extremer Sturm
Wie schon geschrieben ... Dieses Bild hier wurde genau beim Eintreffen eines absolut massiven Impacts gemacht, welcher für europäische Verhältnisse absolt extrem und selten war.
Dabei wurde ein G5 Sonnensturm erfüllt, der BZ Wert ging an die -50 und der KP Wert lag zwischen 9 und 10. Das hatte über der Regionen massive Polarlichter zur Folge. Und so surreal sah das dann am Chiemsee aus ...
Die nächsten beiden Buidl zeigen das gleiche Motiv während eines Polarlichts.
Links das Bild bei tiefster Nacht in einer Langzeitbelichtung von 25Sekunden mit Wolken. Trotz Wolken war alles ins blutrote Licht getaucht, so stark war das Polarlicht. Das Bild rechts entstand während der ersten Minuten einer einsetzenden Morgendämmerung. Wie massiv sich die Farbe ändern kann!
Beides waren absolut surreale Stimmungen und unglaublich beeindruckend.
In den nächsten vier Polarlichtbildern sieht man sogenannte Beamer.
Beamer sind senkrechte Strahlen eines Polarlichts. Diese sogenannten Beamer bewegen sich oftmals horizontal, vergleichbar mit sich im Wind gleichmäßig bewegenden Gardienen. Solch faszinierende Bewegungen kann man besonders gut in Zeitrafferaufnahmen sehen. Auf unserer Webseite sind dafür ja einige tolle Beispiele zu begucken. Dafür ist zumeist Buidlbua Chris der Fachmann.
So zum Beispiel in Chris seinem fantastischen Blockbeitrag Polarlichter und Perseiden am Niederrhein
Übrigens ... wer findet die Sternschnuppe!?
11./12.Mai 2024 Der bisherige und absolut unglaubliche Höhepunkt der Polarlichsichtungen
Unser gewählter Fotostandort zur Beobachtungsnacht "Polarlicht Mai 2024" - das KAB-Bergkreuz Kampenwand, zwischen der SonnenAlm und der Steinlingalm, direkt unterhalb der Kampenwandhütte. Und unser gemeinsames Resümee darüber - wir wählten dafür den Platz sehr gut aus.
Zwei fertiggestellter Zeitraffer dieser gesamten Nacht zeigt die Entwicklungen zwischen etwa 22:00 und 03:00 Uhr.
Spektakulär, fantastisch, grandios, phänomenal, großartig, sensationell, gewaltig, kolassal, unvorstellbar, irrsinnig, der Wahnsinn ...
Direkt über dem Gipfelkreuz respektive über uns fallen die Polarlichter mit schönen sogenannten Beamern nach unten. Ein unbeschreibliches Schauspiel, welches uns fassungslos, vollkommen überwältigt und ehrfürchtig ...
Unfassbar!!!
Rechts im Bild der Berg ist die Seitenansicht unserer Kampenwand. Mittig im Bild ist der Staffelsteinfelsen, wobei rechts direkt daneben im Hintergrund die Steinlingalm mit Gedenkkapelle liegt. Links im Bild unten im Vorland der Chiemsee ...
Der Staffelsteinfelsen, das Vorland und der Chiemsee ...
Absolut direkt über uns ... schier unbeschreiblich und nicht wirklich zu glauben!
Die Seitenansicht der Kampenwand ... alles war in Rot und Pink getaucht, besonders die Kalk weißen Wege und Felsen.
Es wirkte erdrückend schön und absolut surreal ...
Was auch für hier im Süden vor und in den alpinen Regionen besonders war, dass ersichtliche Farbspektrum deckte fast alle Möglichkeiten ab ...
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